bedeckt München 20°

Schmallenberg-Virus - ein neuer Erreger:Die Seuche der missgebildeten Lämmer

Versteifte Gelenke, geschädigte Wirbelsäulen, Wasserköpfe: Eine neue Tierseuche verursacht vor allem bei Lämmern schwere Geburtsfehler. Nun ist eine Meldepflicht für das Schmallenberg-Virus geplant.

Das sogenannte Schmallenberg-Virus, das Rinder, Schafe und Ziegen befällt, wird von immer mehr Bauernhöfen gemeldet. Schwerpunkte der mittlerweile 215 in Deutschland bekannten Fälle bleiben Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, insgesamt sind Betriebe in neun Bundesländern betroffen. Ein Verdachtsfall in Bayern hat sich nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums am Mittwoch nicht bestätigt.

Der Anstieg der Zahlen von Tag zu Tag bedeute nicht, dass der Erreger weitere Tiere infiziere, sagte Thomas Mettenleiter, Chef des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) in Berlin. Vielmehr gebe es Tot- und Fehlgeburten bei Muttertieren, die sich im vergangenen Sommer angesteckt hatten. "Wir haben keine Ausbreitungs-, sondern eine Finde-Dynamik." Nun ist eine Meldepflicht für das Virus geplant. Die Bundesländer hätten bereits die lokalen Veterinärämter gebeten, Verdachtsfälle weiterzugeben, sagte Karin Schwabenbauer vom Landwirtschaftsministerium. Im März soll der Bundesrat die Meldepflicht juristisch verankern.

Der Erreger verursacht vor allem bei Lämmern schwere Geburtsfehler: versteifte Gelenke, geschädigte Wirbelsäulen, Wasserköpfe. Ihre Mütter hatten sich offenbar mit dem Virus angesteckt, als sie trächtig waren. Bei ausgewachsenen Schafen und Ziegen waren damals keine Symptome erkennbar. "Nur bei Kühen fällt es im Melkroboter auf, wenn die Milch für einige Tage ein bis zwei Grad wärmer ist und ihre Menge um 30 Prozent sinkt", sagte Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik im FLI.

Das Schmallenberg-Virus, benannt nach dem Ort des ersten Nachweises im November 2011, ist eine neue Tierkrankheit. Sie wird vermutlich von Stechmücken und Gnitzen übertragen. "Ähnliche Erreger kommen in Afrika, Asien und Australien vor", sagte Mettenleiter. Forscher wüssten nicht, ob das Virus kürzlich eingeschleppt wurde oder ob es seit längerem ein Reservoir des Erregers in Europa gibt. Auch aus Großbritannien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden sind Fälle bekannt. Für Menschen ist das Leiden nach bisherigem Wissen nicht gefährlich. Milch und Fleisch von Tieren, die eine Ansteckung überstanden haben, sind nach Expertenmeinung unbedenklich.