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Schlechte Nachrichten für Nachteulen:Wer spät ins Bett geht, wird dick

Das gilt sogar dann, wenn man dafür morgens länger schläft, warnen australische Wissenschaftler. Wer dagegen schlank, aktiv und gesund bleiben will, sollte früh ins Bett gehen - und darf dann ruhig auch früher aufstehen.

Christina Berndt

Eine überraschende Meldung aus Australien könnte Nachteulen zur Unzeit aus dem Schlaf reißen: Wer schlank, aktiv und gesund bleiben will, der muss nicht nur genug schlafen; er sollte auch lieber früh ins Bett gehen, folgern Wissenschaftler von der University of South Australia aus ihren jüngsten Forschungsergebnissen.

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"Unsere Studie legt nahe, dass das Timing des Schlafs noch wichtiger ist als die Menge", sagt die Gesundheitswissenschaftlerin Carol Maher.

(Foto: iStock)

Wer später ins Bett gehe, sei dagegen häufiger dick, weniger aktiv und hänge mehr vorm Fernseher. Das schließen die Forscher aus einer Studie an 2200 Kindern und Jugendlichen zwischen neun und 16 Jahren, die sie nun im Fachblatt Sleep (online) veröffentlichten.

Über den Tag saßen die Nachteulen 27 Minuten länger auf dem Hintern, statt sich zu bewegen; sie waren häufiger dick und sie spielten 48 Minuten länger Videospiele oder sahen fern als die Frühaufsteher. Das Überraschende daran: Nachteulen hatten insgesamt genauso lange im Bett gelegen wie die Frühaufsteher, weil sie morgens länger schliefen.

Seit Jahren schon ist bekannt, dass die Gesundheit von Kindern gefährdet ist, wenn sie zu wenig Schlaf bekommen. Sie neigen zu Übergewicht und sind auch geistig weniger leistungsfähig.

"Unsere Studie legt aber nahe, dass das Timing des Schlafs noch wichtiger ist als die Menge", sagt die Gesundheitswissenschaftlerin Carol Maher. "Die Kinder, die spät ins Bett gingen und spät aufwachten, und die Kinder, die früh zu Bett gingen und früh aufwachten, bekamen praktisch dieselbe Menge Schlaf."

Eben das bezweifelt der deutsche Schlafforscher Jürgen Zulley. "Der Zeitpunkt des Zubettgehens ist eben nicht identisch mit dem des Einschlafens", betont er. Gerade nach Computerspielen sei das Einschlafen oft schwierig. "Das wissen wir aus vielen Studien", so Zulley.

Eigentlich sei die Datenlage zum Thema bisher immer eindeutig gewesen. Sie lasse sich auf die Kurzformel bringen: Wenig Schlaf macht krank, dumm und dick.

Letzteres liege vor allem an dem Hormon Leptin, das während des Schlafs ausgeschüttet wird und ein Sättigungsgefühl auslöst. Sein Gegenspieler, das Hormon Ghrelin, wird dagegen bei Schlafmangel gebildet und macht Appetit.

Allerdings befördere zu spätes Insbettgehen gewiss auch einen an sich ungesunden Lebensstil: Man sieht leicht mehr fern, statt in frischer Morgenluft aktiv zu sein, und isst auch schnell noch eine Tüte Chips, wenn es vor dem Fernseher gerade so gemütlich ist.

© SZ vom 30.09.2011/mcs

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