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Schimpansen:Im Kampf vereint

Altruismus zahlt sich aus. Wer anderen das Leben rettet, dem können diese später auch einmal helfen. Deshalb werden auch die Wunden von verletzten Artgenossen mit Hingabe gepflegt. Und die Hilfsbereitschaft als Handlungsoption kann auch auf andere Bereiche ausgeweitet werden.

Sie sterben an Menschen-Viren

Wie verletzbar die Schimpansengesellschaft an der Elfenbeinküste ist, zeigen allerdings neue Zahlen, die Boesch mit deutschen und afrikanischen Kollegen am Dienstag im Journal Current Biology veröffentlichte. Im Vergleich zur letzten Zählung vor 18 Jahren fanden Forscher nur noch ein Zehntel der Affen vor. In den 1960er Jahren lebten dort noch geschätzte 100.000 Schimpansen - vermutlich die Hälfte der weltweiten Population. Ende der 1980er Jahre waren es noch 8000 bis 12.000. Die heutige Population liegt bei gut 1000 Schimpansen. In anderen Reservaten sieht es vermutlich nicht besser aus.

Das Sterben der Schimpansen erklären die Forscher mit der Zerstörung des Lebensraums und Wilderei. Aber auch sie selbst tragen Schuld daran, das verhehlt Boesch nicht. Erst im Februar berichteten er und Kollegen, dass im Taï-Nationalpark Schimpansen an Atemwegserkrankungen sterben, die von Menschen eingeschleppt wurden.

Seit Menschen so dicht an die Affen herankommen, dass sie Erreger übertragen, wird dies vermutet, doch erst im Februar dieses Jahres gab es den genetischen Beweis. Zwar halten Forscher mindestens sieben Meter Abstand zu den Tieren ein. Trotzdem ist das nah genug für Viren, um den Wirt zu wechseln.

Seit 2004 ist deshalb für jeden ein Atemschutz Pflicht, der sich den Tieren nähern will; erkrankte Forscher dürfen gar nicht mehr ins Reservat. Die letzten wildlebenden Schimpansen gelte es unbedingt zu retten, sagt Boesch, der für diesen Zweck die Wild Chimpanzee Foundation gegründet hat. "Sie sind die letzte lebende Verbindung zu unserer eigenen Vorgeschichte."