UmweltImmer wissen, wo der Schatten ist

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Schattenspiele an einer Treppe
Schattenspiele an einer Treppe Sebastian Gollnow / dpa
  • Das WSL-Institut für Schnee und Lawinenforschung in Davos hat eine Plattform vorgestellt, die zeigt, wo in der Schweiz gerade Licht oder Schatten herrscht.
  • Die Daten decken die gesamte Schweiz in zehn mal zehn Meter Auflösung ab und sind über den ganzen Jahresverlauf stundengenau verfügbar.
  • Die Plattform dient wissenschaftlichen Zwecken zur Schneeforschung, kann aber auch von Bürgern genutzt werden, um Sonnen- oder Schattenplätze zu finden.
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In der Schweiz kann jetzt jeder im Internet nachschauen, wo die Sonne hinfällt und wo nicht – auf den einzelnen Baum genau.

Von Christian Weber

SZ bei Google bevorzugen

Immerhin gibt es seit einigen Jahren brauchbare Wetter-Apps, die auf dem Smartphone anzeigen, wo ungefähr es gerade regnet und wo die Sonne scheint; ein großer Fortschritt gegenüber den klassischen Wetterkarten in der Tageszeitung oder im Fernsehen, die einem wenig brachten, wenn man beim Wandern unter der Fichte stand und wissen wollte, wann es zu schütten aufhört.

Einen Schritt weiter ist nun das renommierte WSL-Institut für Schnee und Lawinenforschung SLF in Davos in den Schweizer Alpen gegangen: Es hat jetzt der Öffentlichkeit die Plattform EnviDat vorgestellt, die zeigt, wo gerade Licht auf den Boden fällt und wo sich Schatten befindet – im nächsten Park, in der städtischen Fußgängerzone oder mitten im Wald. Die Daten decken die gesamte helvetische Republik in einer Auflösung von zehn mal zehn Metern ab. Und das über den ganzen Jahresverlauf und auf die Stunde genau.

Hinter dem Projekt stecken in erster Linie wissenschaftliche Interessen. „Diese Daten sind für zahlreiche Forschungsvorhaben wichtig, zu Schneedecke und Schneeschmelze, aber auch zu Mikrohabitaten von Pflanzen und Tieren, oder zum Mikroklima im Wald“, sagt Clare Webster, Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Schneehydrologie am SLF, in einer Mitteilung des Institutes. Sie und ihre Kollegen und Kolleginnen beschäftigen sich mit dem gesamten Lebenslauf des Schnees im Land und in den Bergen: Wie er vom Himmel fällt, wo er Berghänge und Fluren bedeckt, wie er sich auftürmt und schließlich wieder schmilzt.

Nun ist der Schattenwurf jedes Hauses wissenschaftlich erfasst

Das ist wichtig für die Prognose von Lawinen und Hochwasser, für die Betreiber von Wasserkraftwerken und natürlich für die Skifahrer und Liftbetreiber. „Immerhin fällt auf die gesamte Schweiz gesehen rund ein Drittel der Niederschläge als Schnee“, sagt Webster.
Für korrekte Prognosen zur Schneeschmelze ist neben den Temperaturen die Sonneneinstrahlung entscheidend. In Lagen, wo die Sonne bereits früh im Jahr den Schnee erreicht, ist er sehr viel schneller verschwunden als an benachbarten Schattenhängen. Dabei können sich sogar sehr lokale Gegebenheiten in Stadt und Landschaft, Gebäude oder sonstige Landmarken auf den exakten Schattenwurf auswirken. „Gerade im Wald sind die Verhältnisse von Meter zu Meter sehr variabel“, erläutert Webster. „Und die sind relevant, schließlich ist rund ein Drittel der Schweiz von Wald bedeckt.“

Die hochaufgelösten, vom Schweizer Bundesamt für Landestopographie gelieferten Geodaten haben es den SLF-Forschern und Forscherinnen ermöglicht, den Schattenwurf jedes Hügels und jedes einzelnen Baums zu berechnen. Mehr noch: Berücksichtigt wurde sogar die jahreszeitliche Struktur der Baumkronen. Laubbäume und Lärchen verlieren ja im Herbst ihre Blätter und lassen dann mehr Licht zum Boden durch. „Wir konnten damit detaillierte Schneesimulationen für Schweizer Gebirgswälder durchführen“, berichtet Webster.

Doch jenseits der Wissenschaft kann auch jeder interessierte Bürger, jede Bürgerin die neue Datenbank auf Smartphone oder Laptop ansteuern, um sie nach seinen Bedürfnissen zu nutzen. So könnten sie zum Beispiel nachschauen, wann genau sie ihre bevorzugte Eisdiele in der City aufsuchen sollten, wenn sie einen Tisch in der Sonne bevorzugen – oder doch lieber einen im Schatten, es soll ja heiß werden diesem Sommer. Könnte sein, dass dieser Wunsch in den kommenden Jahren mit der Klimakrise noch deutlich an Bedeutung gewinnt.

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