Schadstoffbelastung:Wenn Luft krank macht

Lesezeit: 2 min

Sieben Millionen Menschen sterben jedes Jahr durch verdreckte Luft - eine Reihe von Schadstoffen sind dafür verantwortlich.

Von Hanno Charisius

Dass schmutzige Luft nicht unbedingt die Gesundheit fördert, ist so offensichtlich, dass es kaum der Erläuterung bedarf. Doch um das Ausmaß des Problems zu erfassen, helfen zwei Zahlen: Sieben Millionen Menschen sterben jedes Jahr durch Schadstoffe in der Luft. Neun von zehn Menschen auf der Erde atmen Luft mit zu hohen Schadstoffmengen. Diese Werte hat die Weltgesundheitsorganisation WHO im Mai veröffentlicht. Und erst in der vergangenen Woche erschien ein Bericht im Fachjournal BMJ, der noch einmal den Zusammenhängen zwischen Dreck in der Luft und Demenzerkrankungen nachgegangen war. Der Effekt scheint nicht besonders groß, aber doch messbar zu sein. Deutlicher werden die Folgen schmutziger Luft bei Herz- und Lungenkrankheiten.

Es gibt dabei eine Reihe von Luftschadstoffen, die heute als problematisch angesehen werden. Zuletzt standen hauptsächlich die Stickoxide im Zentrum der Aufmerksamkeit, zumindest in Deutschland und ausgelöst durch die Diskussion um Fahrverbote für ältere Diesel-Pkws. Diese Stoffe werden auch als NOx abgekürzt, und die häufigsten entstehen bei Verbrennungsprozessen, also zum Beispiel in Motoren oder in Kohlekraftwerken. Zumindest in Deutschland sind die Mengen der meisten Luftschadstoffe in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesunken. Nur bei den Stickoxiden gab es kaum eine Veränderung. Sie können vor allem Menschen mit Atemwegserkrankungen Probleme bereiten. Wie gefährlich NOx tatsächlich sind, darüber wird noch gestritten. Fest steht allerdings, dass aus ihnen Feinstaub und Ozon entstehen, beides ist eindeutig gesundheitsschädlich.

Kohlenmonoxid entsteht vorwiegend durch die unvollständige Verbrennung von Kraftstoffen - vor allem in Automotoren. Der Mensch kann das Gas nicht riechen, in hohen Dosen ist es jedoch ein gefährliches Atemgift. Für Kinder, Schwangere, ältere Menschen und für Herzkranke können über längere Zeiträume hinweg eingeatmet auch geringere Mengen zum Problem werden.

In Städten entsteht der meiste Feinstaub im Straßenverkehr, bei der Verbrennung im Motor, aber auch durch Reifen- oder Bremsenabrieb. Heizungen, Kamine und Holzöfen tragen ebenfalls zur Belastung bei. Aber es gibt auch Staub, der chemisch entsteht, etwa aus Ammoniak, Schwefel- oder Stickoxiden. Je nach Partikelgröße des Staubs kommt es zu unterschiedlichen Gesundheitsschäden: Größere reizen die Schleimhäute, kleinere können bis in den Blutkreislauf eindringen - mit bislang unklaren Folgen.

Oben in der Stratosphäre schützt Ozon die Erde vor UV-Strahlung. In Bodennähe aber ist das farblose, in höheren Konzentrationen stechend riechende, giftige Gas ein Problem. Es stört die Lungenfunktion, reizt die Atemwege, und es steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Das Gas entsteht am Boden unter anderem aus Stickoxiden, wenn die Sonne darauf scheint.

Auch Schwefeldioxid bildet sich überwiegend bei der Verbrennung fossiler Energieträger. Die Belastung in Deutschland ist seit den 1990er-Jahren massiv gesunken, durch Filteranlagen an Kraftwerken und schwefelarme Brennstoffe an der Tankstelle. Die größten Mengen gelangen heute wahrscheinlich durch die Schifffahrt in die Luft. Das stechend riechende, farblose Gas kann Kopfschmerzen, Übelkeit und Benommenheit hervorrufen, den Lungen schaden und zu Blutarmut führen. Auch auf die Umwelt wirkt Schwefeldioxid verheerend. Als "saurer Regen" bereitet es nicht nur Pflanzen und Gewässern Probleme, sondern zerstört auch Hausfassaden.

Zur SZ-Startseite