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Umwelt:In Sahara und Sahelzone stehen 1,8 Milliarden Bäume

Schattenspender, Feuchtigkeitsspeicher, Erosionsschutz: ein Baum in der Sahara.

(Foto: Andrew Slifkin/Unsplash)

Mithilfe neuer Technik entdeckten Forscher eine unerwartet hohe Anzahl an Bäumen in einer der trockensten Regionen der Welt.

Von Naomi Bader

Ein Team von Forscherinnen und Forschern konnte mehr als 1,8 Milliarden Bäume und Büsche in der Westsahara und der Sahelzone ausmachen. Das teils sehr trockene Gebiet umfasst etwa 1,3 Millionen Quadratkilometer. Für ihre Analyse, die am Mittwoch in Nature erschien, hat das internationale Team mehr als 11 000 Satellitenbilder ausgewertet.

Die große Anzahl einzelner Bäume hat die Wissenschaftler überrascht. Zwar bedecken die Pflanzen insgesamt noch immer relativ wenig Fläche - angefangen bei etwa 0,1 Prozent in Wüstengebieten und bis zu 13,3 Prozent in feuchteren Regionen. Lange Zeit waren Forschende jedoch davon ausgegangen, dass die trockenen Gegenden größtenteils ganz ohne Bäume und Büsche auskommen.

Für die Einschätzung des Baumbestands in diesen Regionen standen bisher nur wenige, lokale Feldmessungen zur Verfügung. Dass das Forschungsteam nun erstmals eine so detaillierte Karte vorlegen kann, liegt an dem Fortschritt der Technik: Einerseits sind Satellitenbilder inzwischen in höherer Auflösung verfügbar als noch vor ein paar Jahren und erlauben es daher besser, trockene Gebiete nach Pflanzen abzusuchen. Andererseits konnten die Forscher nun Methoden des maschinellen Lernens benutzen, um die Bäume zu lokalisieren.

Die benutzte Deep-Learning-Technik hat die charakteristische Form und Farbe von Bäumen analysiert und dadurch solche mit mindestens drei Quadratmeter großer Krone erfassen können. Mithilfe dieser Methode könnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun weltweit Bäume außerhalb von Wäldern erfassen, überwachen und weiter erforschen, welche Rolle die Pflanzen etwa für den Klimawandel oder im Kampf gegen Armut spielen.

Bäume, die außerhalb von großen Wäldern zu finden sind, haben bislang wenig Beachtung in der Forschung und der öffentlichen Wahrnehmung gefunden. Dabei spielen sie eine entscheidende Rolle für ihre Umwelt: In trockenen Gegenden, wie Savannen und Wüsten, sind sie eine wesentliche Hilfe für die Artenvielfalt der Flora und Fauna. Sie schützen die Erde vor Erosion, also davor, dass fruchtbare Böden abgetragen werden. Zudem bilden die Bäume und Büsche wichtige Kohlenstoffreservoire und beeinflussen das Klima, etwa indem sie Feuchtigkeit speichern und abgeben. Für Menschen und Tiere in der unmittelbaren Region bieten sie auch Nahrung und Schutz.

© SZ/weis
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