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Russische Marssonde "Phobos-Grunt" vor Absturz:Unfreiwilliges Feuerwerk

Die defekte Marssonde "Phobos-Grunt" wird in den kommenden Tagen abstürzen. Nach den Raumstationen "Skylab" und "Mir" wird sie eines der schwersten Geräte sein, die je auf die Erde gefallen sind. Als Ursache für das Scheitern wird in Russland sogar Sabotage nicht ausgeschlossen.

Für die russische Raumfahrt beginnt 2012 mit einem unfreiwilligen Feuerwerk. In den kommenden Tagen wird die havarierte Marssonde Phobos-Grunt aus dem All zur Erde stürzen. Zwei Monate lang war das 13,5 Tonnen schwere Raumfahrzeug nach einem Fehlstart Anfang November um die Erde getaumelt, jetzt fällt es in die Atmosphäre zurück. Dabei wird es zerbrechen und verglühen, allerdings nicht vollständig: Russische Ingenieure rechnen damit, dass bis zu 30 Bruchstücke mit einem Gesamtgewicht von 200 Kilogramm auf dem Erdboden aufschlagen werden.

Die russische Marssonde Phobos-Grunt vor dem missglückten Start. Warum die Mission gescheitert ist, ist noch unklar.

(Foto: AP)

Dabei hatten die Russen große Pläne. Als erste interplanetare Sonde seit 15 Jahren sollte Phobos-Grunt zum Roten Planeten aufbrechen, eine Landekapsel auf dem Marsmond Phobos absetzen, Bodenproben sammeln und zur Erde bringen. Zweieinhalb Jahre sollte die Mission dauern, tatsächlich war sie nach zwei Stunden und vierzig Minuten zu Ende. 200 Kilometer über der Erde verharrte die Sonde mit defektem Antrieb. In den vergangenen Wochen sank das Raumfahrzeug langsam ab und wird nun von der irdischen Lufthülle gebremst und zum Absturz gebracht.

Über die Ursache des Scheiterns ist wenig bekannt. Offiziell räumt Wladimir Popowkin, Chef der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, zwar einige Konstruktionsfehler ein. Im Interview mit der Zeitung Iswestija gibt er aber auch europäischen und chinesischen Partnern, die mit Messinstrumenten an der Mission beteiligt waren, eine Mitschuld.

Trotz Unzulänglichkeiten gestartet

Durch die Kooperation hätten sich die Russen gedrängt gefühlt, die Raumsonde trotz aller Unzulänglichkeiten zu starten. Zudem versteigt sich Popowkin in Verschwörungstheorien: "Ich will niemanden beschuldigen", sagt er, "aber es gibt heute einflussreiche Möglichkeiten, um Raumfahrzeuge in ihrer Umlaufbahn zu beschädigen. Und wir können so etwas nicht ausschließen." Zuvor hatte ein pensionierter russischer General eine Radarstation in Alaska für den Ausfall mitverantwortlich gemacht. Raumfahrtexperten im Westen reagieren darauf mit Unverständnis.

Der Sonde hilft all das nicht mehr. Am Sonntag, so die Berechnungen der europäischen Raumfahrtagentur Esa, soll Phobos-Grunt abstürzen. Das könne aber auch einen Tag früher oder später passieren, sagt Heiner Klinkrad, Leiter des Esa-Büros für Raumfahrtrückstände.

Das Fraunhofer-Institut, das die Sonde mit einem 34 Meter großen Radarteleskop verfolgt, sagt einen Absturz zwischen Sonntag und Dienstag kommender Woche voraus. Sicher ist, dass Phobos-Grunt irgendwo zwischen dem 51. Grad nördlicher und südlicher Breite herunterkommen wird. Für das deutsche Staatsgebiet nördlich der Linie Essen-Kassel-Leipzig besteht somit keine Gefahr. Doch auch südlich davon ist das Risiko rein statistisch äußerst gering.

Mit einer Masse von etwa 13,5 Tonnen ist die havarierte Sonde allerdings ein ziemlicher Brummer. Nach den Raumstationen Skylab und Mir wird sie eines der schwersten Geräte sein, die je auf die Erde gestürzt sind. Mehr als 80 Prozent der Masse besteht aus dem hochgiftigen Treibstoff Hydrazin.

"Wir gehen davon aus, dass die Aluminiumtanks, in denen sich der Treibstoff befindet, aufgrund der Hitze in einer Höhe von mindestens 100 Kilometern bersten werden", sagt Heiner Klinkrad. Das Hydrazin dürfte daher verbrennen, bevor es den Boden erreicht. 40 Mikrogramm radioaktives Kobalt, das auch an Bord ist, halten Experten für ungefährlich.