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Rückfallgefahr:Warnsignale erkennen

Eine schizophrene Psychose kann nicht endgültig geheilt werden. Das Risiko eines Rückfalls lässt sich aber erheblich verringern.

Jeder dritte Patient erleidet nur einen einzigen psychotischen Schub im Leben. Zwei Drittel erleiden mehrere Schübe, aber nur bei etwa der Hälfte von ihnen führt die Schizophrenie zu dauerhaften Beeinträchtigungen, meistens weil auch in den (oft Jahre dauernden) krankheitsfreien Phasen Negativsymptome wie Antriebsarmut und Einengung des Denkens zurückbleiben.

Betroffene müssen Stressmanagement lernen und sich einen regelmäßigen Tagesablauf schaffen.

(Foto: Foto: PantherMedia)

Frühwarnsymptome

Auch bei Patienten mit schubweisem Verlauf der Schizophrenie lassen sich die einzelnen Schübe oft abmildern oder sogar ganz abfangen, wenn man rechtzeitig erkennt, dass sich eine erneute schizophrene Episode ankündigt.

Die frühen Warnzeichen dafür sind für jeden einzelnen Kranken typisch, d. h., den Schüben gehen immer wieder ähnliche Symptome voraus, an denen man erkennen kann, dass ein Rückfall droht. Dazu wird der Patient auch in der Psychoedukation geschult. Patienten und Angehörige entwickeln so oft sehr feine Antennen dafür.

Mögliche Frühwarnsymptome - Anspannung, Erregung, Reizbarkeit - Schlafprobleme - Depression, Interesselosigkeit, Rückzug - Leistungsknick (Schule, Beruf) - Unangemessene Affekte - Veränderung der Wahrnehmung - Denk- und Konzentrationsprobleme, störende Gedanken - Vernachlässigung der Körperpflege - Appetitlosigkeit oder gesteigerter Appetit

Wichtig: Wenn solche (oder andere, von früheren Schüben bekannte) Frühwarnsymptome auftreten und sich verschlimmern, sollte ärztliche Hilfe gesucht werden, damit Patient und Arzt gemeinsam Strategien entwickeln können, um einem möglichen psychotischen Schub zu begegnen.

Selbsthilfe und Hilfe durch Angehörige

Ein wichtiger Faktor, der einen schizophrenen Schub auslösen kann, ist Stress. Stressvermeidung und Stressmanagement zählen deshalb zu den wichtigsten Maßnahmen, um Rückfällen vorzubeugen. Dazu gehört auch ein regelmäßiger Tagesablauf - unregelmäßige Schlafenszeiten etwa können einem Rückfall Vorschub leisten.

Stress baut sich meistens langsam auf, sodass es möglich ist, rechtzeitig gegenzusteuern.

Häufig lassen sich stressreiche Ereignisse wie eine Prüfung, ein Umzug oder ein Familienfest so planen, dass möglichst wenig Stress dabei entsteht oder dass es Rückzugsmöglichkeiten gibt. Auch Entspannungsübungen können helfen, akute Stresssituationen zu "entschärfen". Die Unterstützung der Angehörigen ist in solchen Situationen besonders wichtig. Dabei geht es nicht darum, den Betroffenen "in Watte zu packen", sondern die Herausforderungen so zu dosieren, dass sie zu bewältigen sind.

Eine gute Anlaufstelle sind Selbsthilfegruppen, in denen man sich austauschen kann, wie Stresssituationen erlebt werden und wie man sie meistern kann. Solche Gruppen vermitteln das Gefühl, mit dem Problem nicht allein zu sein - allein das hilft häufig schon, besser damit fertig zu werden. Selbsthilfegruppen gibt es auch für Angehörige.

Medikamente

Um Rückfällen vorzubeugen, wird die medikamentöse Behandlung in aller Regel über die akute Krankheitsphase hinaus fortgesetzt, allerdings in deutlich niedrigerer Dosierung als zuvor. Nach dem ersten psychotischen Schub wird eine Therapie über mindestens ein Jahr empfohlen, sind schon weitere Episoden aufgetreten, sollte die Behandlung zwei bis fünf Jahre dauern. Die regelmäßige Einnahme der Arzneimittel in dieser Phase ist wichtig, weil sonst das Risiko eines Rückfalls steigt.

Fachliche Beratung: Prof. Dr. Hans-Jürgen Möller, Direktor der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München

Der Ratgeber zum Thema Schizophrene Psychose wurde von der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH konzipiert und erarbeitet.