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Rosetta-Mission:Hart wie ein Komet

Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, aufgenommen am 20. Juli von Raumsonde Rosetta. Der Komet nähert sich dem sonnennächsten Punkt und wirbelt dabei immer mehr Staub auf.

(Foto: ESA/Rosetta/NAVCAM - CC BY-SA IGO 3.0)
  • Wissenschaftler haben Daten der Kometensonder Philae ausgewertet, die vor neun Monaten auf Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko aufsetzte.
  • Der Komet ist demnach deutlich härter als erwartet, die Schale besteht hauptsächlich aus Eis und Stein.
  • Die Forscher konnten auch organische Verbindungen auf "Tschuri" nachweisen.

Am 12. November 2014, um genau 9.35 Uhr, lässt der Satellit die kleine Sonde los. Philae gleitet zur Kometenoberfläche hinab, sieben Stunden braucht das kühlschrankgroße Gerät für die 20,5 Kilometer. Dann, um 16.34Uhr: "Touchdown". Philaes Metallstelzen tauchen in knöcheltiefen Staub, so fein wie Asche. Kurz darauf treffen die Beine des Roboters auf die harte Oberfläche des Kometen Tschurjumow-Gerassimenko, Spitzname "Tschuri". Das Landemodul des ESA-Weltraumsatelliten Rosetta setzt ein trügerisches Signal ab: Landung geglückt.

Das indes stimmte nicht. Philae stand zu diesem Zeitpunkt noch eine Odyssee bevor, die erst Stunden später in einer dunklen Mulde enden sollte. Sieben wissenschaftliche Aufsätze, erschienen in der aktuellen Ausgabe von Science, zeichnen diese Reise nun detaillierter nach als je zuvor. Und sie zeigen eindrucksvoll, dass die Sonde trotz der missglückten Annäherung an den Kometen noch eine Fülle wissenschaftlicher Daten sammeln konnte.

Philae, Comet

Philaes Landeanflug am 12. November: die Sonde prallt zweimal vom Kometen ab und kommt auf seinem 'Kopf' zu stehen.

(Foto: ESA; Grafik: SZ.de)

Schon während des Landeanflugs schießt eine Kamera an der Unterseite des Roboters Fotos. Sie zeigen, wie einer der Füße beim Aufsetzen möglicherweise nur knapp einen ein Meter großen Gesteinsbrocken verfehlt. Dann versagt die Harpune, mit der sich Philae verankern sollte. Und eine Düse, die den Roboter in den Staub hätte drücken sollen. Das Landegerät hebt wieder ab und fliegt weiter. Erst bleibt es an einem Kraterrand hängen, kommt ins Taumeln. Bald darauf setzt es wieder auf, wird aber erneut ins All katapultiert.

Gemisch aus Stein und Eis

Erst um 18.31 Uhr, beim dritten Aufsetzen, kommt Philae zur Ruhe: In einer Mulde, die kaum größer ist als der kleine Lander. Die Forscher der Mission nennen sie "Abydos", wie eine altertümlichen Grabstätte in Ägypten. Seit November liegt Philae in dem Loch, ein Bein auf seinem Grund, eines auf dem Rand, das dritte gen Weltall gestreckt. Zweieinhalb Tage konnten die Instrumente an Bord des Landemoduls Daten sammeln, dann versiegte der Strom der Batterie. Und weil es in Abydos sehr schattig ist, konnte das Landegerät seine Batterie lange nicht wieder aufladen.

Für die beteiligten Forscher ist Philae dennoch ein Erfolg. "Wir haben etwa die Hälfte der wissenschaftlichen Daten bekommen, die wir wollten", sagt Tilman Spohn vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Manchmal kamen die Forscher nur auf ungewöhnlichen Wegen zur Erkenntnis. Mithilfe von Bildern, die Philaes Abdrücke im Staub zeigen, konnten die Wissenschaftler abschätzen, dass der Roboter einen halben Kubikmeter Kometenstaub aufwirbelte. Auch den Aufprall auf der Oberfläche haben die Forscher analysiert. "Die Oberfläche ist deutlich härter, als wir erwartet haben", sagt Spohn.

SZ-Grafik: Bucher; Quelle: Esa/Rosetta/NAVCAM

Die Schale des Kometen, die vom Staub bedeckt wird, besteht demnach aus einem Gemisch aus Stein und Eis, das eine ähnliche Konsistenz haben soll wie Glasschaum-Dämmplatten aus dem Baumarkt. Das wissen die Forscher, weil Philae vier Stunden lang versucht hat, ein Thermometer in den Boden zu hämmern, die Oberfläche aber nicht nachgab. Sie wissen auch, dass der Komet zu Dreivierteln aus Leerräumen besteht - das ergaben Radiowellen, mit denen Philae und Rosetta den Himmelskörper durchleuchteten.