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Robotik:Mit Gefühl

Ob sich auch Roboter bei der Montage eines Ikea-Möbels gelegentlich in die Haare bekommen?

(Foto: NTU Singapore)

Möbel aufzubauen ist eine Prüfung für Partnerschaften. Abhilfe schaffen Ingenieure aus Singapur: Ihr neuer Roboter kann selbständig einen Ikea-Stuhl montieren.

Jemand, der seine Möbel selbst aufbaut, bringt ihnen automatisch mehr Wertschätzung entgegen, das besagt der aus der Sozialpsychologie bekannte Ikea-Effekt. Dennoch ist die Montage selbst für viele Menschen eine Tortur. Abhilfe schaffen nun Ingenieure der Nanyang-Universität in Singapur: Sie haben einen Roboter mit zwei Greifarmen entwickelt, der selbständig einen Ikea-Stuhl montieren kann. Für den Aufbau benötigt er knapp neun Minuten - zuvor muss er allerdings gut elf Minuten lang planen. Jedoch nicht, um die Montage-Anleitung abzuspeichern, die haben die Entwickler bereits in sein Computergehirn einprogrammiert. Elf Minuten braucht das System allein, um die Bewegungen zu berechnen, mit denen die Bauteile kollisionsfrei aufgehoben und zusammengesteckt werden können.

Maschinen haben immer wieder Schwierigkeiten mit scheinbar banalen Aufgaben. Einen Dübel aufzuheben und in ein vorgebohrtes Loch zu stecken beispielsweise, mag einfach klingen, war bei der Konstruktion des Roboters jedoch eine große Herausforderung, schreiben seine Entwickler im Fachjournal Science Robotics.

Was den Robotern bisher fehlte, war eine ausreichende Geschicklichkeit. Deshalb statteten die Ingenieure die Greifarme mit Drucksensoren aus. So konnten sie die Kraft, mit der die Bauteile gegriffen und zusammengeführt werden, besser regulieren. Solche Erkenntnisse sollen in Zukunft dabei helfen, Produktionsroboter geschickter zu machen. Ikea-Kunden werden ihre Möbel allerdings wohl weiterhin selber zusammenbauen müssen, denn dieser Roboter soll vorerst nicht auf den Markt kommen.

© SZ vom 20.04.2018
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