Ressourcen sparen:Reparieren, teilen, tauschen!

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Upcycling im Kistlerhof in München-Giesing, 2015

Zunehmend entdecken Menschen den Charme gebrauchter Gegestände.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ostern ist ein Konsumfest - fast wie Weihnachten. Unser Hang zum Mehr ist aber das größte Hindernis, um Ressourcen zu sparen und Müll zu vermeiden. Wir brauchen eine neue Einstellung zum Besitz.

Kommentar von Astrid Viciano

Ostern sei inzwischen fast wie ein zweites Weihnachten, frohlockte einmal eine Sprecherin des deutschen Einzelhandelsverbands. Zum zweitgrößten Konsumfest erkoren, streben die kaufwilligen Kunden im Frühjahr nach zunehmend größeren Geschenken. Und lechzen danach, sich über ihre Errungenschaften neu zu definieren, ein süßliches Wohlgefühl zu erleben wie imaginäre Zuckerwatte. Mit dem Kauf des besonders schnellen Handys. Des ausgefallenen Designer-Shirts. Der dicken, goldenen Armbanduhr.

Dann geht es nicht allein ums Kaufen. Dann geht es fast zwangsläufig darum, anderes wegzuwerfen. Der alte Computer hat ebenso ausgedient wie die Mode aus dem vergangenen Sommer und die ausrangierte Armbanduhr. Dieser Hang zum steten Konsum sei das größte Hindernis, an Ressourcen zu sparen und weniger Müll zu produzieren, klagt der britische Entwicklungspsychologe Bruce Hood von der University of Bristol im Fachjournal Nature. Daher fordert er eine Abkehr von Materialismus und Besitzstreben. Völlig zurecht.

Das kaputte Handy in die Werkstatt gebracht, das alte T-Shirt eingetauscht

So werden für die Herstellung eines neuen Handys 60 verschiedene Metalle benötigt, manche davon aus Krisengebieten. 1300 Liter Wasser sind nötig, bis zu 30 Kilogramm Kohlendioxid werden frei, berichtet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Für ein Baumwoll-T-Shirt braucht es sogar 2700 Liter Wasser.

Gegen den Mainstream schwimmen zunehmend junge Menschen, die auf Second-Hand-Produkte setzen, die reparieren, tauschen, teilen, wo sie nur können. Das kaputte Handy wird in einer Werkstatt in Stand gebracht, das alte T-Shirt gegen ein ebensolches eingetauscht.

Doch kann das im großen Stil funktionieren? Der Konsum hat den Menschen bislang ein stetiges Wirtschaftswachstum beschert. Immer besser, einfacher, bequemer sollte das Leben werden. Wie soll das mit einer Geisteshaltung zusammenpassen, die das Beständige preist?

Vielleicht liegt die Lösung darin, den Ehrgeiz neu zu kanalisieren. In wohldurchdachte industrielle Kreisläufe zum Beispiel, in denen Güter am Ende ihres Lebens als Ressourcen für andere Produkte dienen, schlägt ein weiterer Nature-Autor vor. Um wieder zu verwenden, was dafür tauglich ist, zu recyclen, was anderweitig genutzt werden kann. Und zu reparieren, was sich instand bringen lässt. Damit möglichst wenig Müll entsteht.

Zusätzlich bedarf es aber auch an Strategien, weniger Besitztum gesellschaftlich erstrebenswert zu machen. Zumal Studien ergeben haben, dass Materialisten weniger glücklich sind als jene Menschen, denen teure Handys oder dicke Armbanduhren gleichgültig sind.

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