Süddeutsche Zeitung

Raumforschung:Crowdfunding für einen Satelliten

Ein kalifornisches Unternehmen will ein schuhschachtelgroßes Teleskop in den Orbit schießen. Das Projekt wird per Crowdfunding finanziert - wer 25 Dollar zahlt, darf sich im All verewigen.

Von Alexander Stirn

Nie war es billiger, aus dem All auf die Erde herabzuschauen - zumindest, wenn man mit einer digitalen Kopie des eigenen Ichs zufrieden ist. Dann reichen die 25 Dollar, die das US-Unternehmen Planetary Resources gerade für einen entsprechenden Ausflug ins All verlangt: Die Firma möchte ein schuhschachtelgroßes Teleskop in eine Umlaufbahn um die Erde schicken.

Sie will einen Monitor auf dessen Oberseite anbringen, über den Bilder der zahlenden Kunden flimmern. Und sie will das Ganze - Monitor, Satellit, Planet - mit einer Bordkamera aufnehmen. Mehr als 12.000 Interessenten haben ihren Schnappschuss bereits bestellt.

Dabei hat Planetary Resources eigentlich ganz andere Ziele: Das Unternehmen aus Seattle ist im vergangenen Jahr angetreten, als erste Firma Bergbau im All zu betreiben. Die Truppe um Chefingenieur Chris Lewicki, der zuvor Flugdirektor für die Mars-Rover Spirit und Opportunity war, will dazu das Sonnensystem nach Asteroiden absuchen, lohnende Ziele identifizieren und deren Ressourcen abbauen, darunter Wasser und seltene Metalle.

Eigentlich sollte es dem Unternehmen auch nicht an Geld mangeln. Als Unterstützer listet Planetary Resources mehrere namhafte und zahlungskräftige Investoren auf; darunter sind Google-Gründer Larry Page, der Google-Vorsitzende Eric Schmidt sowie der Microsoft-Pionier und Weltraumtourist Charles Simonyi. Der Verkauf der orbitalen Selbstporträts dürfte daher, sofern die Milliardäre ihre Brieftaschen tatsächlich geöffnet haben, mehr PR-Aktion als finanzielle Notwendigkeit sein.

Chris Lewicki sieht das naturgemäß anders: "Zwar bleibt es unsere primäre Mission, Asteroiden zu entdecken und abzubauen, wir wollen aber auch eine neue Generation vom Weltall und seinem Potenzial begeistern", sagt der Firmenchef. Und er hat offensichtlich einen Nerv getroffen. Schon wenige Stunden, nachdem Planetary Resources seinen Bilderdienst aus dem All vorgestellt hatte, waren mehrere Tausend Unterstützer auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter zusammengekommen.

Die Website eignet sich besonders gut für solche Projekte. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen und Privatpersonen dabei zu helfen, Unterstützer für ihre Ideen zu finden. Wer von einem Projekt überzeugt ist, erklärt sich online bereit, seine Entwicklung mit einem bestimmten Betrag zu fördern. Kommt die gewünschte Gesamtsumme innerhalb eines zuvor festgelegten Zeitraums zusammen, wird das Projekt realisiert; die Unterstützer erhalten - je nach Höhe ihres Beitrags - ein Geschenk.

Für 200 Dollar darf man selbst mal lenken

Neben dem digitalen Porträt mit der Erde als Hintergrund, das ab 25 Dollar (etwa 19 Euro) zu haben ist, hat Planetary Resources daher noch weitere Anreize im Angebot. Für 99 Dollar können Unterstützer zum Beispiel fünf Minuten Beobachtungszeit auf dem Teleskop namens Arkyd kaufen und an Schüler oder Forscher weitergeben. Und für 200 Dollar dürfen Interessenten Arkyd sogar selbst ins All richten (nur nicht auf die Sonne) und ein Bild für ihr Fotoalbum schießen. Detailreiche Aufnahmen oder neue wissenschaftliche Erkenntnisse sind allerdings nicht zu erwarten: Mit einer Blendenöffnung von lediglich 20 Zentimetern spielt das Arkyd-Teleskop in der untersten Liga der Weltraumteleskope. Es ist eher ein Amateurteleskop, das es ins All geschafft hat.

Dennoch hat die Kickstarter-Kampagne bereits vergangene Woche die Marke von einer Million Dollar geknackt, die angeblich für Start und Betrieb von Arkyd nötig ist. Lewicki und sein Team haben daher ein neues Ziel ausgegeben: Wenn bis Sonntag zwei Millionen Dollar zusammenkommen, soll das 15 Kilogramm schwere Teleskop nicht nur als orbitaler Bilderdienst genutzt werden, sondern auch zur Suche nach Planeten in fernen Sonnensystemen.

Das hat zwar ebenfalls wenig mit der eigentlichen Aufgabe der Arkyd-Teleskope zu tun, der Suche nach Asteroiden, lässt sich aber gut verkaufen. Sara Seager, Planetenforscherin am Massachusetts Institute of Technology und eine der offiziellen Unterstützerinnen von Planetary Resources, spricht sogar von einer "wichtigen Datenquelle für Exoplaneten". Noch liegt diese Quelle allerdings in weiter Ferne: Kurz vor Schluss der Kickstarter-Kampagne fehlen etwa 800 000 Dollar zum neuen Ziel.

Für Chris Lewicki ist das Projekt dennoch ein großer Erfolg. "Kickstarter war darauf angelegt, unsere ohnehin laufenden Pläne zu ergänzen und zu verbessern", sagt der Ingenieur. Parallel dazu, versichert er, werde an der Entwicklung der eigentlichen Arkyd-Teleskope für die Asteroiden-Suche gearbeitet, deren erstes Modell 2015 starten soll. Und auch am großen Ziel, dem Bergbau im All, hält Planetary Resources fest. Der wird dann allerdings nicht ganz so billig zu haben sein.

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SZ vom 28.06.2013/mcs
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