bedeckt München 17°
vgwortpixel

Raumfahrt:Tiangong 1 verglüht in Erdatmosphäre

Chinesisches Raumlabor Tiangong 1

Das Bild zeigt die Form des chinesischen Raumlabors Tiangong 1, das mithilfe eines Radars vom Fraunhofer Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik erstellt wurde.

(Foto: Fraunhofer Institute/AP/dpa)
  • Das Labor ist um 02.15 Uhr deutscher Zeit über dem Südpazifik in die Atmosphäre eingetreten.
  • Die Hoffnungen von Sternguckern und Astronomen auf ein spektakuläres Himmelsspektakel erfüllen sich nicht.

Das chinesische Raumlabor Tiangong 1 (auf Deutsch: Himmelspalast) ist am Morgen in die Erdatmosphäre eingetreten und zu großen Teilen über dem Pazifik verglüht. Das berichtete die chinesische Raumfahrtorganisation CMSEO. Demnach erreichte das Labor um 02.15 Uhr deutscher Zeit über dem Südpazifik die Atmosphäre. Ein kontrollierter Absturz des 8,5 Tonnen schweren und zwölf Meter langen Raumlabors über dem Meer war nicht möglich, weil seit März 2016 kein Kontakt mehr zum "Himmelspalast" bestand und die Triebwerke nicht gezündet werden konnten. China hatte Tiangong 1 im Jahr 2011 ins All geschossen.

Die Hoffnungen von Sternguckern und Astronomen auf ein spektakuläres Himmelsspektakel erfüllten sich nicht. Die Raumstation sei vor dem Sturz in den Pazifik bei Tageslicht über Pjöngjang und die japanische Stadt Kyōto hinweg gerast, sagte der US-Experte Jonathan McDowell. "Es wäre für die Leute toll gewesen, den Absturz beobachten zu können, aber es wird noch weitere Wiedereintritte geben", sagte der Astronom vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik.

"Tiangong 1" war ein experimentelles Weltraumlabor

Das Labor war der Erde langsam immer näher gekommen; abgebremst von der Atmosphäre. Mitte Januar war die Station noch auf einer Umlaufbahn in etwa 280 Kilometern Höhe unterwegs. Experten hatten geschätzt, dass etwa 1,5 bis 3,5 Tonnen des Raumlabors die Hitze beim Eintritt in die unteren Atmosphärenschichten überstehen und als kleine Stücke auf die Erdoberfläche fallen könnten. Dies gelte vor allem für Teile aus Titan oder Edelstahl.

Bis kurz vor dem Absturz war unklar, in welchem Gebiet Tiangong 1 verglühen wird. Experten hatten die Gefahr für Menschen als äußerst gering eingeschätzt. "Die Wahrscheinlichkeit für ein Individuum, von einem Trümmerteil verletzt zu werden, ist so hoch wie die Möglichkeit, von einem Blitz zweimal in einem Jahr getroffen zu werden", sagte Holger Krag von der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa). In der Geschichte der Raumfahrt gab es bisher noch keinen bestätigten Fall, in dem ein Mensch von Weltraumschrott verletzt wurde.

Tiangong 1 war ein experimentelles Weltraumlabor, mit dem Wissenschaftler Rendezvous- und Andockmanöver testeten. Nach Esa-Angaben gab es zwei bemannte Missionen dorthin. Im Vergleich zur etwa 450 Tonnen schweren Internationalen Raumstation (ISS) war der "Himmelspalast" zwar winzig, laut Esa-Experten aber größer als der Weltraummüll, der sonst in der Erdumlaufbahn unterwegs ist.

China hat im Jahr 2016 ein neues Raumlabor ins All geschossen. In Tiangong 2 können nun zwei Astronauten über längere Zeit leben. Auch hat es eine höhere Ladekapazität als Tiangong 1 und lässt sich nun auch auftanken. Mit seinen Raumlaboren will China Erfahrungen für den Bau einer eigenen Raumstation sammeln, die um das Jahr 2022 fertig werden soll. Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Erde verfolgt ein ambitioniertes Raumfahrtprogramm, das auch den Mond und den Mars als Ziele hat.

Astronomie und Raumfahrt "Mit etwas Glück kann man den ein oder anderen Kontinent ausschließen"
Raumstation stürzt ab

"Mit etwas Glück kann man den ein oder anderen Kontinent ausschließen"

In den kommenden Tagen stürzt die chinesische Raumstation Tiangong 1 auf die Erde. Warum er Zeitpunkt und Ort nicht genau berechnen kann, erklärt der Experte für Weltraumschrott, Holger Krag.   Interview von Jan Schwenkenbecher