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Raumfahrt:Sonde alleine im All

Voyager 2

Arbeiten an der Sonde Voyager 2 im Jahr 1977.

(Foto: NASA/JPL-Ca/dpa)

Seit 1977 ist "Voyager 2" unterwegs, nun wird der Funkkontakt wegen Reparaturarbeiten an der Bodenstation für elf Monate unterbrochen.

Wären Weltraumsonden Menschen, könnte man sagen: Voyager 2 ist alt genug, um eine Weile lang alleine klarzukommen. Andererseits ist die Sonde, höflich gesagt, auch ganz schön in die Jahre gekommen. Seit 1977 ist sie im Weltraum unterwegs. Nach ihrer Schwestersonde Voyager 1 und der 1972 gestarteten Sonde Pioneer-10 ist sie das am drittweitesten von der Erde entfernte menschengemachte Gerät. Sie hat das Sonnensystem bereits verlassen und rast derzeit mit knapp 60 000 km/h in die unendlichen Weiten des Alls. Hören kann sie auch nicht mehr so gut, was vor allem an der Entfernung liegt. Und erst kürzlich zeigte das Betriebssystem Schwächen. Im Januar musste der Bordcomputer neu gestartet werden, weil er versehentlich den Akku überlastet und alle Messinstrumente abgeschaltet hatte.

Ganz risikofrei ist es also nicht, die alte Sonde nun elf Monate lang sich selbst zu überlassen. Aber anders geht es nicht, sagen Nasa-Forscher. Die Experten des Jet Propulsion Laboratory der US-Weltraumbehörde haben beschlossen, das wichtigste Instrument für den Kontakt zu Voyager 2, eine 70 Meter große Antennenschüssel in Australien, fast ein Jahr lang abzuschalten. Die Antenne ist bereits seit 48 Jahren durchgehend auf Sendung und soll in den kommenden Monaten runderneuert werden. Signale von Voyager 2 können dann zwar noch empfangen werden, aber die Sonde lässt sich nicht mehr anfunken, um beispielsweise den Bordcomputer neu zu starten.

Die Funkantenne bei Canberra ist Teil des weltumspannenden "Deep Space Network", eines Kommunikationswerkzeugs für Weltraumforscher, um mit weit entfernten Raumfahrzeugen in Kontakt zu bleiben. Für die meisten der zurzeit mehr als 30 aktiven Forschungssonden im All ist der Ausfall der australischen Schüssel kein Problem. Sie können mit anderen Antennen in den USA und in Europa kommunizieren. Voyager 2 ist allerdings auf die Funkschüssel in Australien angewiesen.

Ob die Sonde sich nach der Sendepause zurückmeldet, ist unsicher. In den kommenden elf Monaten muss Voyager 2 viele Routineaufgaben alleine erledigen, zum Beispiel das Ausrichten der Funkantenne und die Wärmeregulierung. Nach der Reparatur werde die australische Antenne leistungsfähiger sein als zuvor, sagen die Weltraumexperten - und künftig auch für den Kontakt zu bemannten Missionen zu Mond und Mars dienen.

© SZ vom 09.03.2020

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