Süddeutsche Zeitung

Raumfahrt:Messgerät "Mascot" erfolgreich auf Asteroid gelandet

  • Ein deutsch-französische Messgerät mit den Namen Mascot ist auf dem Asteroiden Ruygu gelandet.
  • Das Gerät soll in den nächsten Stunden Daten über den Himmelkörper sammeln, bis seine Batterie leer ist.
  • Die Wissenschaftler erhoffen sich durch die Messungen Erkenntnisse über die Ursprünge des Sonnensystems und die Abwehr von potenziell gefährlichen Asteroiden.

Etwa 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist das deutsch-französische Messgerät Mascot erfolgreich auf dem Asteroiden Ryugu gelandet. Das gab das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Mittwoch in Bremen bekannt. Die japanische Raumsonde Hayabusa2 warf das Landegerät von der Größe einer Mikrowelle um kurz vor vier Uhr deutscher Zeit ab. Aus einer Höhe von 51 Metern fiel Mascot im freien Fall dann auf den Himmelskörper zu und landete sanft. Grund für das sachte Aufkommen ist die geringe Anziehungskraft des Asteroiden. Ryugu hat bei einem Durchmesser von etwa 900 Metern nur etwa ein 60 000stel der Erdanziehungskraft.

"Es hätte nicht besser laufen können", erklärte Mascot-Projektmanagerin Tra-Mi Ho vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme. "Aus den Betriebsdaten des Landers konnten wir erkennen, dass er sich von der Raumsonde trennte und nach etwa 20 Minuten auf der Asteroidenoberfläche zur Ruhe kam." Trennung von der Sonde und Landung hatten zu den größeren Risiken der Mission gehört. Wäre Mascot nicht wie geplant ohne Probleme ausgeklinkt worden, hätte das Team auf der Erde kaum Möglichkeiten gehabt einzugreifen. Auch der sanfte Abstieg war entscheidend, da "Mascot" sonst wegen der geringen Gravitation wie ein Gummiball vom Asteroiden zurückspringen und im All hätte verloren gehen können.

Abwehr von gefährlichen Asteroiden

Nun beginnen für das internationale Team aus Ingenieuren und Wissenschaftler die 16 Stunden, in denen der nur 30 mal 30 mal 20 Zentimeter große Lander Messungen auf der Asteroidenoberfläche vornimmt. Dann ist die Batterie leer. Die Forscher wollen mit der Mission den Ursprüngen des Sonnensystems auf die Spur kommen. Da Ryugu ein erdbahnkreuzender und damit potenziell gefährlicher Asteroid ist, wollen die Wissenschaftler zudem Erkenntnisse sammeln, um Abwehrmöglichkeiten zu entwickeln.

Auf seinen Erkundungstouren wird das Gerät auf dem Himmelskörper umherhüpfen. Möglich macht das ein eingebauter Schwungarm. "Der Lander sollte nun auf der Asteroidenoberfläche liegen, sich mit seinem Schwungarm im Inneren in die richtige Position gebracht haben und selbstständig mit den Messungen beginnen", teilte das DLR weiter mit. Mascot war federführend vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen mit der französischen Raumfahrtagentur CNES entwickelt und getestet worden.

Wasservorkommen auf Asteroiden

Das Gerät hat vier Instrumente: Mit einem Radiometer und einer Kamera des DLR, einem Spektrometer des Institut d'Astrophysique Spatiale und einem Magnetometer der TU Braunschweig sollen die mineralogische und geologische Zusammensetzung der Oberfläche des Asteroiden untersucht werden. Zudem soll Mascot die Oberflächentemperatur sowie das Magnetfeld des Asteroiden ermitteln.

Die Forscher wollen vor allem der Frage nachgehen, welche Rolle Asteroiden bei der Entstehung und der frühen Entwicklung der Erde gespielt haben. Teleskopmessungen ließen vermuten, dass Ryugu Wasser enthält. Es besteht die Möglichkeit, dass Asteroiden einst mit Einschlägen auf der Erde auch Wasser zu unserem Planeten gebracht haben könnten.

Die Daten des Messgeräts sollen dann mit Hilfe der japanischen Sonde zurück zur Erde gebracht werden: Sie soll Ende 2020 über einer Wüste in Australien eine Kapsel mit den eingesammelten Proben des Asteroiden abwerfen. Vier Jahre waren Mascot und die Sonde im Weltall unterwegs gewesen und legten etwa 3,2 Milliarden Kilometer zurück.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4154217
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ.de/dpa/afp/ankl/sebi
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.