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Raumfahrt:Mars-Sonde "Schiaparelli" weiterhin verschollen

  • Die Europäische Raumfahrtagentur Esa hat noch immer kein Signal vom Marslander Schiaparelli empfangen.
  • Ob das Landegerät funktionstüchtig ist, bleibt weiterhin unklar.
  • Esa-Chef Jan Wörner betonte, dass die Mission dennoch erfolgreich sei, da man wichtige Informationen gesammelt habe.
  • Ob das Landegerät Schiaparelli erfolgreich auf dem Mars aufgesetzt hat, wolle man in den kommenden Tagen analysieren.

Von Felix Hütten

Das Schicksal des Marslanders Schiaparelli bleibt weiter unklar. Esa-Chef Jan Wörner antwortete am Donnerstagmorgen auf einer Pressekonferenz auf die Frage, wie es um das Gerät steht: "Wir wissen es nicht."

Andera Accomazzo, der Spacecraft Operations Manager der Esa, sagte, er sei zuversichtlich, in den kommenden Tagen zu verstehen, was genau in der Landephase von Schiaparelli passiert ist und in welchem Zustand das Gerät ist. Aus den bereits gewonnenen Daten wisse man, dass der Hitzeschild in der Landephase funktioniert hat. Unklar sei, ob der Bremsfallschirm bis zum Schluss funktioniert habe, so Accomazzo. Bislang könne man einen unkontrollierten Absturz des Marslanders nicht ausschließen. Möglicherweise war Schiaparelli zu schnell, oder aber der Bremsfallschirm löste zu einem falschen Zeitpunkt aus.

Esa-Chef Wörner betonte, dass die Mission Exomars, welche die europäische Weltraumorganisation gemeinsam mit Russland unternimmt, dennoch ein Erfolg sei. Die bislang gewonnenen Daten seien wertvoll für die anstehende Mission im Jahr 2020, wenn die Esa einen Rover auf dem Mars absetzen will. Das Landegerät Schiaparelli, von dem es nach dem Zeitpunkt der geplanten Ankunft noch immer kein Signal gibt, hat eine fast 500 Millionen Kilometer lange Reise zum Nachbarplaneten hinter sich und sollte eigentlich am Mittwochabend auf dem Mars landen.

"Es ist klar, dass das kein gutes Zeichen ist"

Das Aufsetzen der Testsonde auf der Mars-Oberfläche ist eines der schwierigsten Raumfahrtmanöver überhaupt. Während des sechsminütigen Durchstoßens der dicken, kohlendioxidhaltigen Mars-Atmosphäre ging der Kontakt zu der Sonde verloren, wie der ESA-Missionsleiter Paolo Ferri bereits am Mittwochabend mitteilte. "Es ist klar, dass das kein gutes Zeichen ist", sagte Ferri. "Aber wir brauchen weitere Informationen", um sagen zu können, dass der Vorgang gescheitert ist. Das ausbleibende Signal könne "viele, viele Gründe" haben.

Eigentlich sollte Schiaparelli am Mittwoch gegen 16:45 Uhr mit einem Tempo von sechs Kilometer pro Sekunde in die Mars-Atmosphäre eintreten und kurz darauf erste Daten senden. Um 18:37 Uhr trafen erste positive Signale vom Mutterschiff Trace Gas Orbiter (TGO) im Kontrollzentrum in Darmstadt ein, von dem der Marslander sich am 16. Oktober abgekoppelt hatte, doch ein eindeutiges Zeichen von Schiaparelli war nicht dabei.

Die jahrelang geplante Landung ist von der Erde aus nicht direkt zu verfolgen. Vielmehr sind die Esa-Ingenieure auf Aufnahmen anderer Marssonden angewiesen, die diese zeitverzögert ins Kontrollzentrum nach Darmstadt schicken. Sollte Schiaparelli entgegen aller Befürchtungen seine komplexen Manöver wohlbehalten überstanden haben, wird das Landemodul bis zu acht Tage lang die Marsoberfläche untersuchen und dabei unter anderem Daten zum Staubgehalt in der Atmosphäre sammeln.

Letztlich ist Schiaparelli allerdings nur ein Testobjekt. Mit der Landesonde will die Esa Technologien erproben und Erfahrungen sammeln, die für ein weitaus ambitionierteres Vorhaben nötig sind: die Landung eines gemeinsam mit Russland entwickelten Roboterfahrzeugs auf dem Mars. Das Kunststück, das bislang nur die Amerikaner erfolgreich gemeistert haben, ist für das Jahr 2020 geplant.

© SZ.de/alst/fehu/jobr/fie/stein
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