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Ariane 6:Die Rakete, die kaum einer will

  • Die Ariane Group baut eine neue Rakete, die ab 2020 Satelliten ins All befördern soll.
  • Die Ariane 6 soll einerseits für die Esa starten, sich andererseits eigenständig auf dem Weltmarkt behaupten.
  • Doch mit der Billigkonkurrenz von Space-X kann sie nicht mithalten. Ihre Zukunft ist ungewiss.

Wie ein Freilufttheater reckt sich der Koloss aus Stahl und Beton in den tiefblauen Himmel: rechts und links zwei treppenartig ansteigende Rampen, gegossen aus Zehntausenden Kubikmeter Beton. In der Mitte eine Bühne, ein Stahlpodest mit einem Gewicht von 700 Tonnen. Und dahinter die Kulisse, bislang noch ein Gerippe aus Stahlträgern und Streben, aber schon jetzt 90 Meter hoch. Hier, im Dschungel von Französisch-Guayana, bei mehr als 30 Grad Celsius und drückender Schwüle, soll allerdings kein Theaterstück aufgeführt werden. Die Bühne, eine der größten ihrer Art, wird für etwas anderes benötigt: den ersten Flug einer neuen europäischen Rakete namens Ariane 6.

Mitte 2020 soll es so weit sein. Dann soll das 860 Tonnen schwere Geschoss Europas Zugang zum Weltraum garantieren und Sonden der Raumfahrtagentur Esa ins All bringen. Es soll aber auch auf dem Weltmarkt mitspielen und dort Firmen wie der kalifornischen Raketenschmiede Space-X Konkurrenz machen. Doch während die technische Entwicklung - egal ob in Französisch-Guayana oder zu Hause in Europa - gut vorankommt, mangelt es an etwas anderem: am Geld, vor allem aber am politischen Willen, das Projekt auch unter schwierigen finanziellen Vorzeichen durchzuziehen.

Die "Ariane 5" gilt als ausgesprochen zuverlässig, aber auch als aus der Zeit gefallen

Immerhin: Dass Europa eine neue Rakete braucht, bestreitet kaum jemand. Seit mittlerweile 22 Jahren schultert die Ariane 5 die Hauptlast des europäischen Raumtransports. Mehr als 170 Satelliten hat sie seitdem ins All gebracht; im September konnte ihr hundertster Start gefeiert werden. Fast alle waren - nach anfänglichen Problemen - erfolgreich. Die Ariane 5 gilt daher als ausgesprochen zuverlässig, allerdings auch als aus der Zeit gefallen. Schließlich ist sie darauf ausgelegt, die ganz großen Wissenschaftsmissionen ins All zu bringen oder zwei schwere Kommunikationssatelliten.

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Solche Satelliten sind zuletzt allerdings immer kleiner, immer leichter geworden, und unflexible Doppelstarts will sich kaum ein Betreiber mehr antun. Wurden 2014 noch 29 große Satelliten für den geostationären Orbit bestellt, waren es 2017 nur noch zehn. Weniger kommerzielle Starts - und dadurch weniger Einnahmen - bedeuten aber für Europas Raumfahrtnationen, an deren finanziellem Tropf der Raketenbau nach wie vor hängt, dass sie die Ariane 5 deutlich stärker subventionieren müssten.

Genau deshalb wächst in Französisch-Guayana das Amphitheater in die Höhe, nur vier Kilometer westlich jener Startrampe, von der die Ariane 5 am 4. Juni 1996 erstmals abhob. Flexibler soll die neue Rakete sein, genauso zuverlässig, vor allem aber 40 Prozent billiger, so die vollmundigen Versprechungen. Die Europäer wollen das allerdings nicht durch Innovationen oder revolutionäre Technik erreichen, sondern durch kleine Verbesserungen, durch Weiterentwicklungen, durch eine neue Art und Weise, Raketen zu bauen und schließlich zu starten.

Etwa einen Kilometer vom massiven Starttisch entfernt, um den noch immer Eisenbieger und Kipplader wuseln, steht dazu ein unscheinbares Gebäude. Mit bloßem Auge ist es im Baustellenstaub kaum zu erkennen, und doch bedeutet es eine Revolution in Europas Raketenbau. In ihm soll die 62 Meter lange Ariane 6 künftig liegend zusammengeschraubt und anschließend zum Starttisch gerollt werden. Sie wird aufgerichtet und gleich wieder verhüllt - vom mobilen Startturm, jenem 6000-Tonnen-Koloss auf Schienen, der derzeit als Stahlgerippe am Rand der Baustelle steht. Gut geschützt kann sie dann auf den Start vorbereitet werden.

Bislang, bei der Ariane 5, wurden all diese Vorarbeiten aufrecht stehend in Angriff genommen. Die Rakete, immerhin 52 Meter hoch, musste dazu im Schneckentempo von Station zu Station und schließlich zur Startrampe gefahren werden. Das war teuer, vor allem aber war es langwierig. Nun soll alles schneller gehen.

Im Startturm werden dann auch die seitlichen Feststoffraketen montiert, die Booster, die beim Abheben den Großteil des Schubs erzeugen. Ihre weißen, weithin sichtbaren Gase werden 25 Meter unter dem Starttisch zur Seite geleitet und kommen unter den tribünenartigen, sanft ansteigenden Betonbauten, den sogenannten Flammengräben, wieder an die Oberfläche. Zwei Booster reichen für die meisten geplanten Satellitenstarts. Für große Wissenschaftsmissionen oder schwere Lasten können auch vier Hilfsraketen montiert werden. "Flexibilität ist ein wesentliches Charakteristikum des Designs", heißt es bei der Esa.