Raumfahrt:Briten als Hoffnungsträger

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Viel Geld hat auch Florida nicht. Dennoch will der Bundesstaat künftig 20 Millionen Dollar ausgeben, um am Kap neue Raumfahrtunternehmen anzusiedeln. "Space Florida" heißt die dazu gegründete Initiative. Ihr Chef, Frank DiBello, sagt: "Nach dem Ende des Shuttle-Programms wollen wir aus Florida den Knotenpunkt für Versorgungsflüge in den niederen Erdorbit und zur Internationalen Raumstation machen." Die Ansprüche sind bescheiden geworden.

Gelingen soll das unter anderem durch internationale Kooperationen. Gerade erst war eine Delegation aus Großbritannien am Kap. Die Engländer sollen, so die Hoffnung von Space Florida, Cape Canaveral zur Basis ihres Satellitenprogramms machen - und so zumindest einige neue Arbeitsplätze schaffen.

Große Hoffnungen setzt Florida auch in die private Raumfahrt: Das Unternehmen Space-X, mit dem der Internet-Millionär Elon Musk die Raumfahrtbranche revolutionieren will, startet seine Raketen bereits vom Kap. Irgendwann könnten mit ihnen auch Astronauten zur ISS fliegen. Für DiBello eine "extrem spannende Entwicklung". An den Glamour eines Shuttle-Starts wird so eine private Rakete allerdings nie herankommen.

Auch der Tourismus, traditionell das zweite große Standbein an der Space Coast, kann nur begrenzt helfen - selbst wenn die allerletzten Shuttle-Flüge noch einmal für einen Ausnahmezustand sorgen werden: 100.000 bis 150.000 Neugierige lockt ein normaler Shuttle-Start an die Küste - so zumindest die Durchschnittswerte der vergangenen Jahre.

Ende Februar, beim finalen Flug der Discovery, sind es bereits dreimal so viele. Schon Tage vor dem Start haben die Mietwagenfirmen in Orlando, dem nächstgelegenen Flughafen, nur noch ein paar ungeliebte Minivans im Angebot. Am Starttag selbst reservieren sich Shuttle-Fans noch vor Sonnenaufgang die besten Plätze - nicht mit Handtüchern, sondern mit Stativen. Die 11.000 Hotelbetten und 35.000 Campingmöglichkeiten sind ausgebucht.

Fast im Minutentakt klingelt im Touristenmotel in Melbourne, 40 Meilen südlich des Startgeländes, das Telefon. Geduldig erklärt der Rezeptionist, dass wegen des Starts der Discovery alle Zimmer belegt sind. Ob er die Shuttles vermissen wird? Der gebürtige Inder schmunzelt. "Auf jeden Fall werden uns die Shuttle-Fans fehlen."

Mehr als 500.000 Schaulustige dürften dieses Mal, zum Start der Endeavour, an die Space Coast pilgern. Sie werden zwischen zehn und 15 Millionen Dollar in den Kassen der Hoteliers und Geschäfte lassen, schätzt Robert Varley, Leiter des örtlichen Fremdenverkehrsamts. Die Tourismusorganisation hat natürlich eine Raumfähre in ihrem Logo.

Der allerletzte Flug der Atlantis könnte sogar die Millionenmarke knacken und damit mehr Zaungäste anlocken als der Mondflug von Apollo 11. "Es sieht so aus, als stehe ein Shuttle-Start bei sehr vielen Menschen auf der Liste der Dinge, die sie unbedingt noch erleben möchten", sagt Varley dem Onlinedienst Space.com. Eine nachhaltige Einnahmequelle ist allerdings auch das nicht.

Dafür soll ausgerechnet die Atlantis sorgen: Das Besucherzentrum des Kennedy Space Centers hat vor zwei Wochen den Zuschlag für den Orbiter bekommen. Nach seinem letzten Flug darf er in Cape Canaveral ausgestellt werden. 100 Millionen Dollar will das Zentrum in eine neue, 6000 Quadratmeter große Halle investieren. In ihr soll die Raumfähre dem zahlenden Publikum freischwebend präsentiert werden - als würde sie noch immer fliegen. "Die Atlantis wird für lange Zeit unsere größte Attraktion bleiben", sagt Varley.

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