Ratten in Big Apple Nagerzählung in New York

Die omnipräsenten Ratten in ihrer Stadt verarbeiten die New Yorker gerne künstlerisch

(Foto: Jim Pennucci / CC by 2.0)

Acht Millionen Ratten soll es in New York geben. Kann das wirklich sein? Ein Forscher versuchte nachzuzählen und bekam deshalb Schwierigkeiten mit den Behörden.

Von Kathrin Werner

Es gibt eine Legende in New York. Demnach leben in der Stadt genauso viele Ratten wie Menschen - etwa acht Millionen. Wer am Abend an den Müllsäcken auf dem Bürgersteig in Chinatown entlangspaziert, kann sich das auch gut vorstellen. Die Nager sind überall.

Kann die Zahl stimmen? Der Statistiker Jonathan Auerbach wollte der Frage auf den Grund gehen. Doch wie zählt man Ratten in einer Großstadt? "Tiere sind furchtbar schlecht im Beantworten von Umfragen", schrieb Auerbach kürzlich im Fachblatt Significance der Londoner Royal Statistical Society. Diese Methode kam also nicht infrage für den ehemaligen Stadtverwaltungsbeamten, der an der Columbia University seine Doktorarbeit schreibt.

Die nächste Idee des 26-Jährigen war es, 10 000 Ratten zu fangen, zu markieren und wieder freizulassen, eine Zähltechnik namens Capture-Recapture. Später, wenn sich die markierten mit den unmarkierten Tieren vermischt haben, fängt man wieder eine Stichprobe und berechnet anhand des Anteils markierter Tiere, wie viele es insgesamt sind. Doch auch diese Methode schied aus. "Leider ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass die New Yorker Gesundheits- und Hygienebehörde ein Experiment genehmigt, dass die Freilassung einer großen Zahl von Ratten beinhaltet", schreibt Auerbach. "Ich weiß das, weil ich gefragt habe."

Lebensraum U-Bahn

Die Gesundheitsbehörde hat aber eine Website, die Ratten-Sichtungen festhält. Die New Yorker können sie unter der Service-Nummer 311 melden. Diese Daten hat Auerbach ausgewertet: Auf 842 000 Grundstücken in der Stadt leben demnach Ratten. Da sie meist nicht allein, sondern in Kolonien von 40 bis 50 Tieren leben, kam Auerbach in einer "recht großzügigen" Hochrechnung auf gut zwei Millionen Ratten.

Die Methode ist nicht sehr zuverlässig, schließlich wird zum Beispiel in der noblen Upper East Side ein größerer Anteil der Ratten vermeldet, während die Menschen in der Bronx wohl eher selten die Service-Nummer anwählen. Wahrscheinlich seien es eher etwas weniger als zwei Millionen, schreibt Auerbach. Andererseits sind die U-Bahn-Ratten nicht in der Berechnung enthalten und sie sind - das weiß jeder New Yorker - sehr, sehr viele.

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Laut den Behörden schrumpft das Rattenvolk, vor allem dank Gift. Wer aber meint, dass die Stadt die Plage einmal in den Griff bekommt, sollte Auerbachs Aufsatz lesen: Er schreibt auch über die Widerstandsfähigkeit der Nager, und über ihre legendäre Fortpflanzungsgeschwindigkeit.