Süddeutsche Zeitung

Psychologie:Liebeslieder funktionieren

Männer haben größere Chancen, an die Telefonnummer ihrer Angebeteten zu kommen, wenn sie dieser zuvor romantische Lieder vorspielen. Das zeigt eine Studie französischer Wissenschaftler.

Wenn Sie Ihre Chancen erhöhen wollen, Ihre Angebetete zu einem Date zu bewegen oder wenigstens an ihre Telefonnummer zu kommen, dann untermalen Sie Ihre Avancen mit romantischer Musik.

Was die Troubadoure des Mittelalters bereits wussten, haben französische Psychologen jetzt mit einer wissenschaftlichen Studie bestätigt: Romantische Musik und Liedtexte können unsere Stimmung und unser Verhalten signifikant beeinflussen.

Die Forscher der Universitäten Bretagne-Sud und Paris-Sud hatten Frauen ein Liebeslied vorgespielt - und zwar "Je l'aime à mourir" von Francis Cabrel. Den Song hatten sie anhand eines Fragebogens als das beliebteste französische Lied mit romantischem Text bestimmt. Eine Kontrollgruppe hatte als "neutrales" Lied dagegen "L'heure du thé" von Vincent Delerm gehört.

Die 87 Studienteilnehmerinnen - allesamt Singles im Alter zwischen 18 und 20 Jahren, hatten allerdings keine Ahnung, dass die Musik schon Teil des Versuches war. Sie dachten, ihre Aufgabe bestünde darin, ein Bio-Produkt mit einem anderen Studienteilnehmer zu diskutieren und bewerten.

Vor dem Beginn des Versuchs waren die Probandinnen gebeten worden, noch wenige Minuten in einem Wartezimmer Platz zunehmen, da der zweite Teilnehmer noch nicht eingetroffen sei. Während der Wartezeit wurde den Teilnehmerinnen eines der beiden Lied vorgespielt.

Was die jungen Frauen nicht wussten: Der junge Mann, mit dem sie anschließend über Geschmacksunterschiede von Keksen diskutierten, war nicht zufällig ausgewählt worden.

Die Wissenschaftler um Nicolas Guéguen hatten vielmehr zuvor eine weitere Gruppe von Frauen gebeten, die Attraktivität von zwölf Männern auf einer Skala von null bis neun zu bewerten. Und für das Experiment setzten sie einen jungen Mann ein, der dem mit fünf Punkten bewerteten "Durschnittstyp" am stärksten ähnelte.

Nach dem Gespräch mussten die zwei jungen Leute noch einmal warten - diesmal gemeinsam. Gemäß dem Auftrag der Forscher lächelte der "Durchschnittstyp" nun jede der Studienteilnehmerinnen an und stellte sich mit immer dem gleichen Satz vor: "Mein Name ist Antonie, wie du bereits weißt. Ich finde dich sehr nett und habe mich gefragt, ob du mir deine Telefonnummer geben würdest. Ich rufe dich dann später an und wir können nächste Woche irgendwo etwas trinken gehen."

52 Prozent der Frauen, die zuvor das Liebeslied gehört hatten, gaben Mister "Null-Acht-Fünfzehn" bereitwillig ihre Telefonnummer. Dagegen gingen nur 28 Prozent der Teilnehmerinnen, die das neutrale Lied gehört hatten, auf den Flirtversuch ein.

"Unsere Ergebnisse bestätigen, dass der Effekt von Medieninhalten nicht auf Gewalt begrenzt ist, sondern dass sie das Potential haben, ein großes Verhaltensspektrum zu beeinflussen", erklärt Guéguen.

Die Wissenschaftler halten es für möglich, dass die Liebeslieder positive Emotionen bei den Teilnehmerinnen hervorriefen, die sie wiederum empfänglicher für die Annäherungsversuche des männlichen Probanden machten.

Die Studie fügt sich ein in eine Reihe von Versuchen, die demonstrieren, wie stark wir uns unbewusst von äußeren Faktoren beeinflussen lassen. Erst kürzlich hatten US-Forscher berichtet, dass Personen, die auf einem harten Stuhl sitzen, härtere Verhandlungspartner sind als solche, die es sich auf einem weichen Sessel bequem gemacht haben.

Soweit es der Redaktion bekannt ist, besteht übrigens keine finanzielle Abhängigkeit der französischen Forscher von den Vertreibern der Kuschelrock-CDs.

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