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Psychologie:Kreislauf der Geschenke

Es ist ein Tabu, Geschenke weiterzugeben - zumindest gehen die meisten Beschenkten davon aus. Eine britische Psychologin hat nun untersucht, ob die Bedenken gerechtfertigt sind und wie es den Erstschenkern dabei geht.

Geburtstag, Hochzeit, Kommunion, Konfirmation, Einschulung und bald wieder Muttertag: Ständig soll irgendjemand beschenkt werden. Das stresst, und am Ende wird wieder etwas wenig Kreatives in Geschenkpapier versteckt. Emotionale Entlastung lässt sich nun aus einer Studie ziehen, die im Fachblatt Psychological Science (online) erscheint.

Weihnachtsgeschenk

Geschenke darf man getrost weiterschenken. Für den Erstschenker ist das offenbar nicht so kränkend, wie die ursprünglich Beschenkten fürchten.

(Foto: dpa)

Gabrielle Adams von der London Business School belegt darin wieder einmal, wie sehr die Vorstellungen von Schenkenden und Beschenkten auseinanderklaffen. Die Psychologin zeigt, dass man eines der großen Tabus getrost ignorieren darf und bedenkenlos ein Geschenk weitergeben könne, mit dem man selbst einst erfolglos erfreut werden sollte. Für den Erstschenker sei dieses Verhalten längst nicht so kränkend, wie der ursprünglich Beschenkte fürchtet.

Etwas weiter zu schenken, ist nicht schlimm", sagt Adams, "im Gegenteil, damit lässt sich sogar sicherstellen, dass ein Geschenk weitergereicht wird, bis sich jemand wirklich darüber freut." Doch die meisten Menschen bewerten dieses Verhalten negativ. Wer ein Geschenk weitergibt, könne es auch gleich wegschmeißen, sagten auch die Probanden der Psychologin.

Dieses Tabu besteht jedoch vor allem aus der Sicht der Beschenkten. Für die Schenkenden in der Studie war es kaum der Rede wert, wenn ihr Präsent weitergegeben wurde.

Wie konträr die Vorstellungen von guten Geschenken bei den beteiligten Parteien sind, berichtete auch Francis Flynn von der Stanford University gemeinsam mit Adams 2009 im Journal of Experimental Social Psychology. In dieser Studie glaubten die Schenker, das die Freude mit dem Preis für das Präsent steige. Die Beschenkten empfanden allerdings nicht so, ihnen war der Preis egal.

Im gleichen Fachjournal gab Francesa Gino von der Harvard University 2011 einen weiteren Tipp: Äußert jemand einen konkreten Wunsch, so erfüllen Sie diesen! Damit bereite man die größte Freude, schreibt die Psychologin.

Nur sind die meisten Schenker dummerweise der Meinung, eine Überraschung sei besser als die fade Erfüllung eines Wunsches. Schließlich zeige eine Überraschung, dass man sich viele Gedanken gemacht hat. Und so wird es am Ende doch wieder ein enttäuschendes Geschenk, das bei nächster Gelegenheit abermals verpackt und weitergereicht wird.