Süddeutsche Zeitung

Psychologie:Konzentration lenkt ab

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Das berühmte Gorilla-Video hatte es bewiesen: Wir übersehen selbst die auffälligsten Dinge, wenn wir uns auf etwas anderes konzentrieren. Jetzt gibt es das Nachfolge-Experiment.

Sebastian Herrmann

Dieses Experiment ist ein moderner Klassiker der Psychologie. "Zählen Sie die Pässe, die sich die Spieler mit den weißen Hemden gegenseitig zuspielen. Ignorieren Sie die Basketballspieler in den schwarzen Trikots."

Diese Anweisung gab der Psychologe Daniel Simons von der Universität Illinois vor etwa zehn Jahren seinen Probanden, bevor sie sich ein Video ansahen.

Die Teilnehmer zählten artig, wie oft der Ball hin und her gespielt wurde - und merkten in der Mehrzahl nicht, dass während des Spiels ein Mann im Gorilla-Kostüm zwischen die Spieler schlurfte, sich auf die Brust trommelte und dann aus dem Bild ging.

Nun legt Simons gemeinsam mit dem Psychologen Christopher Chabris vom Union College in New York noch einmal nach:

Wir empfehlen, das Experiment unbedingt selbst zu machen: Sie finden das Video hier.

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Reingelegt

Menschen entgehen sogar dann extrem offensichtliche Details und Begebenheiten, wenn sie eine Überraschung erwarten.

Die Psychologen zeigten ihren Probanden abermals einen Gorilla-Film. Die Hälfte der Testpersonen wusste, dass gleich ein Mann im Affen-Kostüm auftauchen würde. Niemand von ihnen übersah den Gorilla, dafür entgingen 83 Prozent der Probanden nun andere Details.

So verließ einer der drei schwarzgekleideten Basketballspieler das Bild, als der Gorilla auftauchte. Zudem veränderte sich des Farbe des Vorhangs, vor dem die Spieler standen.

Etwa 50 Prozent derjenigen, die zuvor nichts vom Mann im Affen-Kostüm wussten, übersahen diesen zwar, dafür entgingen nur 71 Prozent von ihnen die anderen Details. Das ist immer noch eine miserable Quote, aber sie liegt über der Leistung der anderen Gruppe.

Der Mensch lasse sich sogar dann hereinlegen, wenn er wisse, dass dies gleich geschehe, kommentiert Simons. Die Studie soll demnächst als erste Veröffentlichung in dem neuen Open-Access-Journal i-Perception erscheinen. sehe

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Quelle:
SZ vom 13.07.2010/cosa/mcs
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