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Psychologie:Die kleinen Monster

Wenn sich Eltern und ihre Kinder mit Beginn der Pubertät voneinander entfremden, gehört das - leider - zum Leben. Doch die Teenager können darunter stark leiden und sogar Depressionen entwickeln. Besonders, wenn die Eltern schulischen Druck machen.

Von Sebastian Herrmann

Im Leben eines Teenagers dreht sich sehr viel darum, die eigenen Eltern bescheuert zu finden. Ständig nerven die Alten mit irgendwelchen beknackten Anliegen, etwa am Wochenende zusammen zu frühstücken, morgens irgendwann mal das Bad zu verlassen oder in der Schule halbwegs akzeptable Noten zu schreiben. Die Eltern ihrerseits plagt derweil das Gefühl, die eigenen Kinder an eine dunkle Macht namens Pubertät zu verlieren, welche die kleinen Süßen in große Monster verwandelt. Diese Form der gegenseitigen Entfremdung zwischen Eltern und Kindern kann Folgen für die psychische Gesundheit der Beteiligten haben. Psychologen um Ashley Ebbert von der Arizona State University zeigen im Fachjournal Development and Psychopathology, dass fehlendes Vertrauen und wachsende Distanz zwischen Eltern und Kindern bei Heranwachsenden mit späteren Depressionen und Angststörungen einher gehen könnten.

Die Wissenschaftler werteten Daten der New England Study of Suburban Youth aus, für die Familien aus tendenziell gut gestellten sozialen Schichten über lange Zeit begleitet werden. Die Analyse basiert auf der regelmäßigen Befragung von insgesamt 262 Kindern. Je stärker sich die Entfremdung zwischen Eltern und Kindern in der Schulzeit entwickelte und je mehr Vertrauen verloren ging, desto eher litten die Heranwachsenden später an Depressionen und Angststörungen. Die Forscher um die Psychologin Ebbert stießen dabei auch auf Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Mädchen berichteten von dringlicheren Gefühlen der Entfremdung von beiden Elternteilen, außerdem empfanden sie im Vergleich zu den Jungen das Vertrauensverhältnis zu ihrer Mutter im Mittel als stärker zerrüttet. Unter den Mädchen waren in späten Schuljahren Angststörungen häufiger. Die Kinder stammten alle aus gehobenen Bildungsschichten und gingen auf Eliteschulen. Der elterliche Druck, in diesem Umfeld zu glänzen, könne ein wesentlicher Faktor hinter der Beobachtung sein, so die Forscher.

© SZ vom 26.10.2018
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