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Psychologie:Der Millionär von nebenan

Reiche verbringen ihre Zeit fast genauso wie Normalverdienende - freilich mit einem Unterschied. Und der, so zeigt eine Studie, macht sie glücklicher.

An machen Tagen löst sich jegliche Hoffnung auf, dass es in der Arbeit jemals erträglich wird. Als geprügelter Hund schleichen die Frustrierten dann aus dem Büro und suchen Mittel, um Sinnlosigkeit, Wut und Resignation zu bekämpfen. Manchem hilft es, einen Lotto-Schein auszufüllen. Natürlich ist einem als nur ansatzweise vernunftbegabtem Menschen völlig klar, dass ein Gewinn weit jenseits des Wahrscheinlichen liegt. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Lotto zu spielen wirkt wie ein Placebo, wie ein kleines Pflaster auf der wunden Seele. Es erlaubt eskapistische Träume: Was wäre, wenn das Unmögliche doch einträte? Dann, so die Hoffnung, würden sich die ganzen Alltagsscherereien mit einem Schlag auflösen, wäre man frei von allen Zwängen. Das pure Glück.

Wirklich? Ein Blick in die Niederlande könnte diese Träumereien zerplatzen lassen. Millionäre verbringen ihre Tage nämlich fast genauso wie weniger begüterte Normalos: Sie arbeiten etwa gleich lang, sie genießen etwa genauso viel Freizeit und auch von Tätigkeiten wie Kochen, Putzen oder Einkaufen sind die Begüterten in gleichem zeitlichem Umfang geplagt. "Reiche Menschen nutzen ihre Zeit auf verblüffend ähnliche Weise wie die Normalbevölkerung", sagen die Ökonomen um Paul Smeets von der Universität Maastricht. Die Forscher haben die täglichen Routinen von Millionären und Normalvermögenden in den Niederlanden verglichen und im Fachjournal Social Psychological and Personality Science publiziert.

Der ganze energiesaugende Mist hört also niemals auf, egal wie großzügig Konto und Investmentdepot gefüllt sind? Nicht ganz. Die Studie zeigt nämlich auch, dass die untersuchten Millionäre im Schnitt signifikant zufriedener mit ihrem Leben sind als die weniger Begüterten. Geld macht demnach also doch glücklich, wenn auch über Bande. Sobald die Forscher nämlich etwas tiefer blickten und die Tagestätigkeiten der Probanden im Detail analysierten, entdeckten sie relevante Unterschiede.

Millionäre nutzten freie Zeit häufiger, um aktiv zu sein. Sie trieben Sport und engagierten sich eher für wohltätige Zwecke. Die Normalverdienenden verhielten sich in ihrer Freizeit im Vergleich hingegen öfter passiv: Sie saßen vor dem Fernseher oder suchten Entspannung darin, einfach mal nichts zu tun. Jeder, der sich regelmäßig mit der Fernbedienung durch die Kanäle quält oder planlos auf dem Handy herumdrückt, weiß, dass das eher nicht zufrieden macht. Andererseits haben Forscher gezeigt, dass aktiv gestaltete Freizeit das Wohlbefinden fördert. In der Arbeit, so berichten die Wissenschaftler um Smeets, verbringen die Reichen ihre Zeit häufiger mit Tätigkeiten, die sie mit dem Gefühl von Kontrolle erfüllten. Die Wohlhabenden müssen sich wohl eben nicht mehr jeden Mist vom Chef anschaffen lassen oder sind selbst der Boss.

So legten die Ergebnisse nahe, "dass Wohlstand die Möglichkeit erleichtert, Kontrolle über die eigene Zeit zu haben", sagt Smeets. Auf diese Weise also kann Geld glücklich machen. Der sinnvollste Weg aus dem Frust besteht demnach darin, die Zeit aktiv zu nutzen und in irgendeiner Tätigkeit etwas Erfüllung zu suchen, statt auf dem Sofa von Lotto-Millionen zu träumen.