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Psychologie:Angstfrei zum Erfolg

Manager treffen häufig Entscheidungen, die für sie das geringste Risiko bergen. Sie wollen primär sich selbst schützen. Allerdings hängt es vom Betriebsklima ab, wie oft solche defensiven Entscheidungen getroffen werden.

Von Werner Bartens

Der klassische Manager ist dynamisch und entschlussstark. Ein entscheidungsfreudiger Macher, der sich ohne Zögern für seine Ideen einsetzt und Risiken eingeht, um Projekte durchzuziehen. Seine zupackende Art hat sich bewährt und dem Unternehmen Anerkennung wie auch Profit eingebracht und ihm selbst den Respekt der Mitarbeiter und Konkurrenten.

In der Praxis kommen solche Typen zwar vor, und sie pflegen ihr hemdsärmeliges Image. Trotzdem müssen immerhin 25 Prozent der Entscheidungen von Führungskräften als defensiv bezeichnet werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Arbeitsgruppe um den Psychologen Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Im Fachmagazin Business Research zeigen die Wissenschaftler, dass Entscheidungsträger längst nicht immer die sachlich beste Option wählen - sondern zu oft jene, die für sie selbst das geringste Risiko birgt.

"Selbst in obersten Führungsebenen trifft man Entscheider, bei denen viele wichtige Entscheidungen nicht primär im besten Interesse der Organisation sind, sondern dazu dienen, sich selbst zu schützen", sagt Florian Artinger, der die Studie geleitet hat. "Zudem konnten wir zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Arbeitskultur und der Häufigkeit von defensiven Entscheidungen gibt."

Die Forscher hatten 950 Führungskräfte einer öffentlichen Einrichtung einbezogen. Etwa 80 Prozent der Befragten gaben an, mindestens eine der zehn wichtigsten Entscheidungen der vergangenen zwölf Monate defensiv getroffen zu haben. Im Mittel waren 25 Prozent der wichtigen Entscheidungen nicht im besten Interesse der Organisation. Erste Ergebnisse aus DAX-Unternehmen zeigen, dass defensive Entscheidungen dort noch verbreiteter sind.

Wer die Fehlerkultur als schlecht bewertete, traf häufiger defensive Entscheidungen. In einem komplexen Umfeld ist das Risiko des Scheiterns immer gegeben. Bei guter Fehlerkultur werden Misserfolge aber nicht stigmatisiert, man unterstützt sich, auch wenn Fehler passieren. In Teams, in denen alle Mitarbeiter Meinungen und Bedenken äußern können, ohne Nachteile zu befürchten, trafen Führungskräfte seltener defensive Entscheidungen.

"Defensive Entscheidungen verursachen Mehrkosten und wirken sich negativ auf Innovationskraft, Mitarbeiterführung und Kundenzufriedenheit aus", sagt Gigerenzer. "Damit Manager wieder die besten Entscheidungen treffen, braucht es eine Fehlerkultur statt einer Absicherungskultur."

© SZ vom 05.08.2019
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