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Posse um Klimastudie:Verbindungen zum erzkonservativen Heartland Institute

Eine wichtige Rolle spielt zudem die Entwicklung der globalen Durchschnittstemperaturen, die seit 1998 nicht mehr so schnell verläuft wie zuvor, obwohl gerade 2014 wieder ein Rekordjahr war. Woran das liegt, ist in der Wissenschaft umstritten. Der IPCC vermutet, dass die Wärme zum Beispiel in den Tiefen der Ozeane stecke und zurückkomme. Aber Moncktons Team legt seine Berechnung so an, als sei nun das Ende der Erwärmung erreicht und bestätigt dieses Ergebnis dann.

Auch viele Begleitumstände der Veröffentlichung sind merkwürdig. Da sind zum einen Moncktons Ko-Autoren. William M. Briggs etwa stellt sich auf seinem Blog als "Statistiker der Stars" vor. Eine institutionelle Anbindung gibt er nicht an, aber das ultrakonservative Heartland Institute nennt ihn als einen seiner Experten.

Der bekannteste Wissenschaftler im Team ist Willie Soon, ein aus Malaysia stammender Astrophysiker von der Harvard University, der ebenfalls in Kreisen der Klimawandelleugner einen guten Namen hat. Er hatte 2003 in einem Artikel behauptet, die Wärme des 20. Jahrhunderts sei überhaupt nichts besonders. Dann wurden ihm und seiner damaligen Koautorin schnell entscheidende Fehler nachgewiesen, und die Fachzeitschrift distanzierte sich von der Veröffentlichung. Soon wird zudem vorgeworfen, eine Million Dollar Forschungsgeld von der Öllobby angenommen zu haben; er hat jedoch stets die Unabhängigkeit seiner Forschung betont.

Auch das neue Paper ist offenbar von einem konservativen Thinktank finanziert worden. Jedenfalls dankt das Team in einer Pressemitteilung explizit dem Heartland Institute. Zudem hebt Monckton das Science Bulletin in die Top Sechs der wissenschaftlichen Journale empor; das Blatt sei "das Äquivalent von Science oder Nature des Orients". Wo diese Einschätzung herkommt, ist unklar. Das Blatt ist westlichen Wissenschaftler nahezu unbekannt. Nach einem wichtigen Maß für die Bedeutung von Zeitschriften können die Chinesen jedenfalls nicht annähernd mithalten. Der sogenannten Impact Factor, der die Zahl der Zitierungen angibt, beträgt bei Science Bulletin 1,4. Bei Nature liegt er bei 42, Science erreicht einen Wert von 31.

© SZ vom 22.01.2015/chrb

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