Physik Stephen Hawkings Doktorarbeit lässt Server kollabieren

Er wolle Menschen dazu inspirieren, hinauf zu den Sternen zu sehen, statt nach unten, auf ihre Füße, begründete Stephen Hawking die Veröffentlichung der alten Arbeit.

(Foto: dpa)

Die Universität Cambridge hat die Promotionsarbeit ihres früheren Physikstudenten ins Netz gestellt. Der Ansturm auf die "Eigenschaften von expandierenden Universen" war enorm.

Von Cathrin Kahlweit

Die Ankündigung der Universität Cambridge war lakonisch gehalten: "Lust auf ein bisschen leichte Lektüre?" Nun sind zwar die "Eigenschaften von expandierenden Universen" nicht unbedingt der leichte Lesestoff, aus dem Bestseller gemacht sind. Als aber die Hochschule die berühmte Doktorarbeit des wohl berühmtesten lebenden Physikers, Stephen Hawking, auf ihre Webseite für offen zugängliche Quellen, "Apollo", hochlud, gab es kein Halten mehr. Die Server brachen unter dem Ansturm wissbegieriger Leser zusammen. Seither ist die Webseite so überlastet, dass es derzeit fast unmöglich ist, einen Blick auf oder gar in das begehrte Papier zu werfen.

Immerhin die Danksagung, verfasst am 15. Oktober 1965, kursiert, quasi als Appetithappen, im Netz; darauf die Unterschrift von "S. W. Hawking" und die Zusicherung, dass dies seine "Original-Arbeit" sei. Die Dissertation soll, sobald die Server den Ansturm bewältigen, für alle Welt zu sehen sein. Damit will Cambridge ein Zeichen setzen für den öffentlichen Zugang zu wissenschaftlichen Werken.

Jeder Mensch auf der Welt solle nicht nur seine, sondern alle Arbeiten großer und forschender Geister der Menschheit einsehen dürfen, ließ Hawking wissen. Er wolle Menschen dazu inspirieren, hinauf zu den Sternen zu sehen, statt nach unten, auf ihre Füße. Die Universität, die 98 Nobelpreisträger hervorgebracht hat, will mit der Aktion auch andere Wissenschaftler ermuntern, die Früchte ihrer Forschung frei zugänglich zu machen.

Stephen Hawking

Ein Leben für die Weltformel

Der Astrophysiker war vor mehr als 50 Jahren, damals war er gerade mal 24, mit der knappen Arbeit promoviert worden, mit der er Grundlagen für seine Forschung zum Ursprung des Universums, zur Relativitätstheorie und zur Physik der Schwarzen Löcher legte. Schon während er seine Dissertation verfasste, waren erste Anzeichen für die schwere Erkrankung des Nervensystems festgestellt worden, die Hawking bald darauf nicht nur zum Star unter den Kosmologen, sondern auch zum bekanntesten ALS-Kranken der Welt machten. Mittlerweile lebt Hawking seit mehr als 50 Jahren mit Amyotropher Lateralsklerose und kann sich nurmehr per Sprachcomputer verständlich machen, der seine Augenbewegungen in Worte übersetzt.

"Open access", freier Zugang zu Wissen und Wissenschaft, die Hawking und seine Alma Mater nun auch zur Präsentation der legendären Arbeit veranlassten, war immer eine der grundlegenden Motivationen des Physikers gewesen. Seine populärwissenschaftlichen Bücher, unter denen "Eine kurze Geschichte der Zeit" wohl das bekannteste ist, sollten auch Laien einen Blick in das Universum und seine Geheimnissen ermöglichen.

Cambridge will in Zukunft aus dieser Veröffentlichung kein Geschenk, sondern eine Verpflichtung machen. In Zukunft sollen alle Doktoranden der Uni eine Fassung ihrer Dissertation für das Online-Archiv zur Verfügung stellen. Auch Alumni wurden aufgefordert, ihre Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Hawking ließ übrigens mit typisch britischem Understatement wissen, er hoffe, dass die Menschen, die sich derzeit für seine Doktorarbeit interessierten, nicht enttäuscht seien, wenn sie diese schließlich wirklich zu sehen bekämen.

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