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Pharmakonzern:Pfizer will Zahlungen an Ärzte offenlegen

Der weltgrößte Pharmakonzern will demnächst den Großteil seiner finanziellen Beziehungen zu Medizinern offenlegen. Ab 2010 sollen alle Honorare auf der Firmen-Webseite zu finden sein.

Wenn US-Ärzte Geld vom weltgrößten Pharmakonzern bekommen, soll das demnächst öffentlich bekannt werden. Er wolle den Großteil seiner finanziellen Beziehungen zu Medizinern offenlegen, hat nun der Pharmagigant Pfizer in New York angekündigt.

Branchenkritiker bemängeln schon lange den Einfluss der Pharmaindustrie auf Ärzte.

(Foto: Foto: dpa)

Auch Zahlungen an Universitäten und Forschungseinrichtungen sollten bekannt werden. So wolle er mehr Vertrauen in seine Arbeitsweise und in seine Medikamente schaffen. Vom Frühjahr 2010 an sollen alle Honorare für Beratertätigkeiten, Vorträge und klinische Studien auf der Firmen-Webseite zu finden sein.

Branchenkritiker bemängeln schon lange den Einfluss der Pharmaindustrie auf Ärzte. Manche von ihnen lassen sich von den Konzernen fortbilden und glauben, hier unabhängige medizinischer Information zu finden.

Andere, die sogenannten "Mietmäuler", verbreiten auf Veranstaltungen wenig objektive Meinungen über einzelne Medikamente. Wieder andere testen die neuen Pillen der Firmen an Patienten; das Ergebnis ist dann je nach Qualität der klinischen Studie mehr oder weniger firmenfreundlich.

"Die Kollaborationen mit den Ärzten sind ein wichtiger Teil des medizinischen Fortschritts", verteidigte Pfizer-Vortand Jeffrey Kindlerer die enge Verflechtung von Firmen und Ärzten. Ohne sie seien wichtige wissenschaftliche Innovationen und auch eine bessere Patientenversorgung nicht denkbar.

Im vergangenen Jahr arbeitete Pfizer nach eigenen Angaben allein bei klinischen Studien weltweit mit fast 8000 Ärzten zusammen. Pfizers neue Paylist soll nun exakte Angaben darüber erhalten, wer Zahlungen in welcher Höhe für welche Leistung entgegengenommen hat. Es sollen sogar Mahlzeiten und andere nichtmonetäre Zuwendungen aufgeführt werden.

Nur eine Ausnahme soll es geben: die Zahlungen für "Ghostwriter". Diese verfassen Artikel über klinische Studien in einflussreichen Fachzeitschriften, obwohl sie gar nicht an den Medikamententests beteiligt waren. Gleichwohl fällen sie Urteile über Wirksamkeit und Sicherheit der Arzneien. Pfizer findet das nicht problematisch, sofern auf die Rolle dieser Personen hingewiesen werde.

Andere Pharmakonzerne haben schon früher angekündigt, Zahlungen an Ärzte zumindest für Redner- und Beratertätigkeiten offenzulegen. Dazu gehören Eli Lilly und MSD aus den USA und das britische Unternehmen Glaxo Smith Kline.

In Deutschland haben sich wichtige Unternehmen der Branche selbst einen Verhaltenskodex auferlegt. Mit der Freiwilligen Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie (FSA) wollten die Firmen abwenden, dass die Bundesregierung einen Korruptionsbeauftragten einsetzt. Zu laut war die Kritik an den Verflechtungen von Ärzten und Pharmaindustrie geworden.

Dem FSA-Kodex zufolge muss die Vergütung von Ärzten "angemessen" sein - es dürfen also keine nach Bestechung riechenden Wucherpreise gezahlt werden. "Damit geben wir eine Richtung vor", sagt FSA-Geschäftsführer Michael Grusa.

Doch wie viel Geld die Firmen einzelnen Ärzte zahlen, bleibe hierzulande noch geheim. Auch Pfizer Deutschland hält sich zurück: Man arbeite daran, "eine geeignete Methode für eine Offenlegung weltweit zu bestimmen", heißt es aus der deutschen Zentrale.

Zumindest in einem anderen sensiblen Bereich des Medizingeschäfts wird es hierzulande aber bald mehr Klarheit geben: Vom 31. März an müssen im FSA organisierte Firmen veröffentlichen, welche Patientenorganisationen sie mit wie viel Geld unterstützen.

Das ist eine Forderung des FSA-Patientenkodex, der im Oktober in Kraft getreten ist. Zuvor war der Einfluss von Pharmafirmen auf Selbsthilfegruppen und andere Patientenvereinigungen zunehmend in die Kritik geraten. Mitunter wurden Patienten motiviert und indoktriniert, sich aktiv für einzelne Medikamente einzusetzen oder Impfungen zum Politikum zu machen.