Pestizide in der Landwirtschaft Wichtige Daten sind selbst einigen Bundesbehörden nicht frei zugänglich

Auch an der Verfügbarkeit dieser und anderer Angaben muss sich nach Auffassung der Kommission dringend etwas ändern. "Die Daten könnten Transparenz in die Frage bringen, wie intensiv die Pflanzenschutzmittelanwendung wirklich ist", sagt Schäffer. Tatsächlich gibt es detaillierte Daten: Aufgrund einer EU-Verordnung müssen die Mitgliedsstaaten offiziell dokumentieren, was ihre landwirtschaftlichen Betriebe an Pestiziden ausbringen. In Deutschland geschieht dies anhand von Musterhöfen, die durch die Bauernverbände der Länder ausgewählt werden.

Die Daten dieser Dokumentation allerdings sind selbst einigen Bundesbehörden wie dem Umweltbundesamt nicht frei zugänglich. Vom zuständigen Julius-Kühn-Institut, das dem Landwirtschaftsministerium unterstellt ist, werden lediglich zusammenfassende Zahlen veröffentlicht.

Ohne die genaue Kenntnis der tatsächlichen Umstände auf den Feldern wird es nach Auffassung der Kommission aber kaum möglich sein, die Anwendung von Pestiziden wie vorgeschrieben zu minimieren. Als Maßnahme halten die Fachleute eine bloße Reduktion ohnehin für unzureichend.

Zusätzlich beschreiben sie in ihrem Diskussionspapier weitere Maßnahmen, die der Zerstörung der Biodiversität entgegenwirken sollen. Dazu gehören Ackerrandstreifen, Schutz von Nichtzielflächen und der gezielte Einsatz natürlicher Feinde, um Schadorganismen einzudämmen.

Punktuelle Maßnahmen genügen nicht mehr

Ein Verbot des Totalherbizids Glyphosat erachten die Experten dagegen für wenig sinnvoll, da "vermutlich alternative Mittel mit ähnlichen Eigenschaften" eingesetzt würden, wie Schäffer erläutert. Überhaupt sei es wenig zielführend, die Problematik mit punktuellen Maßnahmen anzugehen. Laut dem Experten-Papier ist es dringend geboten, den ökologischen Schaden als "systemisches Problem" zu sehen und auch systemisch zu behandeln.

Dass die Bauern für diese Maßnahmen Unterstützung erhalten müssen, ist klar. Neben Subventionen zur gezielten Förderung einer Extensivierung von Landwirtschaft verweisen die Experten auf die Gemeinsamkeit der Verantwortung. "Für die Zukunft ist es sicher wesentlich, den Dialog mit den Bauern zu intensivieren, damit sie sich gerade nicht in der Rolle der bösen Buben wiederfinden", sagt Schäffer.

Inwieweit die Experten mit ihrem Papier etwas bewirken können, bleibt offen. Zwar hat das Kabinett in Berlin vor wenigen Wochen einen "Aktionsplan Insektenschutz" gebilligt, der den Einsatz von Pestiziden einschränken und größere, zusammenhängende Flächen für Wildpflanzen schaffen soll, um Insekten und anderen Tieren einen Rückzug zu bieten. Agrarministerin Julia Klöckner allerdings beschränkt sich in ihrem Ressort weitgehend darauf, eine reduzierte Anwendung des zum Symbol gewordenen Herbizids Glyphosat anzukündigen.

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