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Pestizid-Sprühflugzeuge in Argentinien:Man nannte sie "Die Verrückten"

Ökologen vermuten das seit langem, Anwohner, die den Sojaanbau aus nächster Nähe mitbekamen, machten auf gesundheitliche Probleme aufmerksam. Im Provinzkaff Ituzaingó Anexo wird es nun konkret.

"Las locas" hatte man die "Mütter des Viertels Ituzaingó Anexo" anfangs genannt, die Verrückten. Sie sind ähnlich furchtlos wie die Mütter der Plaza de Mayo, die in Buenos Aires für ihre während der Militärdiktatur verschwundenen Kinder eintreten. Doch Selbsthilfegruppen wie diese haben es geschafft, sich mit der mächtigen Landwirtschaftslobby anzulegen.

Beweise gebe es reichlich, sagt der Staatsanwalt. "Höchstwahrscheinlich kommt eine Strafe heraus." Es geht zunächst nur um mögliche Verstöße gegen die Sprühbestimmungen, die drei Angeklagten erklärten sich für schuldlos. Es geht aber auch gegen ein System und Konzerne wie Monsanto und DuPont. Die Benutzung von Endosulfan ist ab 2013 in Argentinien untersagt. Glyphosat darf weiter verwendet werden, auch dagegen kämpfen die Kläger.

Die Heimat verlassen - nach 22 Jahren

Sofía Gatica sagte zu Wochenbeginn zwei Stunden lang aus. Sie erzählte, dass 2010 bei 193 Bewohnern Krebs festgestellt wurde, dass mehrere Kinder starben und andere unter Blutleiden und Hasenscharte litten. 2011 wurden bei 80 Prozent von 140 Stichproben im betroffenen Stadtteil toxische Stoffe im Blut entdeckt. Die Aktivistin Gatica bekam für ihren Einsatz den Goldman-Preis für Umweltschutz. Sie glaubt, das Verfahren werde wegweisend sein und "die Rechte vieler Menschen verteidigen".

Sie verließ mit ihrer Familie Ituzaingó Anexo, nach 22 Jahren. Die Heimat ist ihr zu verseucht, außerdem wurde sie mit einer Pistole bedroht. Eine Tochter ist tot, eine andere hat Gifte im Körper, ein Sohn ist krank. "Mein Haus steht 50 Meter vom Feld entfernt. Ich kann nicht riskieren zurückzukehren. Ich habe ein Kind verloren, niemand gibt uns die Gesundheit zurück." 2008 hat sie ein Foto machen lassen. Sofía Gatica zwischen Kindern und Sonnenblumen, die das Soja verdecken.