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Paviane:Freunde für ein längeres Leben

Gesellige Pavianweibchen leben länger als Einzelgänger. Ein Weibchen mit treuen Freunden empfindet weniger Stress und erhöht seine Chancen auf ein langes Leben. Wie aber findet man solche Freunde?

Paviane im Okavangodelta in Botswana

Pavianweibchen im Okavangodelta in Botswana. Wissenschaftler haben drei Charaktertypen unter den weiblichen Tieren identifiziert: die Netten, die Distanzierten und die Einzelgänger.

(Foto: Anne Engh/University of Pennsylvania)

Freunde erleichtern das Leben, das gilt auch für die matriarchalisch organisierten Paviane. Schafft es ein Weibchen, enge und dauerhafte Freundschaften zu anderen Gruppenmitgliedern aufzubauen, empfindet es weniger Stress und erhöht seine eigenen Chancen auf ein langes Leben ebenso wie die seines Nachwuchses.

Wie aber Freunde finden? Sicher schadet es nicht, in der Gruppe etwas zu sagen zu haben. Dann sind die anderen stets zu einem Gefallen wie ausgiebigem Kraulen bereit. Dies jedoch vor allem, um sich das Wohlwollen der Höhergesetzten zu sichern und eigene Vorteile aus der Nähe zur Macht zu ziehen. Und auch eine große, möglichst einflussreiche Familie hilft, denn ihre soziale Stellung erben Pavianweibchen zum großen Teil von der Mutter.

Wahre Freundschaft aber ist das alles nicht. Die hängt nämlich auch bei Pavianen von ganz anderen Dingen als der Statusfrage ab, wie ein Team um Robert Seyfarth von der University of Pennsylvania nun bestätigt hat (PNAS, online).

Ob ein Weibchen es schafft, stabile Freundschaften aufzubauen, ist demnach vor allem eine Frage der Persönlichkeit. Drei Charaktertypen identifizierten die Forscher anhand ihrer sieben Jahre dauernden Beobachtungen in Botswana.

Am sozial kompetentesten erschienen die Netten. Sie fanden schnell viele Freundinnen unter den anderen Weibchen und verhielten sich sogar rangniederen Tieren gegenüber freundlich.

Das lässt sich bei Pavianen an ihrem Grunzen messen. Die Laute sollen Artgenossen beschwichtigen. Grunzt ein untergeordnetes Tier die Chefin an, ist die Interessenlage klar: Das rangniedere Tier will gut Wetter für sich machen. Den netten Weibchen aber brachte es selbst keinen unmittelbaren Vorteil, wenn sie niedriger gestellte Paviane angrunzten. Sie wollten wohl wirklich einfach nur nett sein - und sich der Freundschaft versichern.

Etwas mehr Zurückhaltung kennzeichnete den zweiten Persönlichkeitstyp, die Distanzierten. Diese Weibchen verteilten ihre Freundlichkeiten nicht ganz so großzügig. Sie verhielten sich häufiger aggressiv, grunzten nicht wahllos jeden an und wurden auch von den anderen mit etwas mehr Vorsicht behandelt. Doch immerhin schafften es auch die Distanzierten, Freundschaften aufzubauen - wenn auch nicht ganz so viele wie die Netten.

Paviane mit Einzelgänger-Persönlichkeit hingegen versuchten kaum einmal, mit Artgenossen in Kontakt zu kommen. Die anderen hielten meist ebenfalls Abstand. Enge Beziehungen pflegten die Einzelgänger nicht, auch ihre Partner wechselten sie auffällig häufig. Dass so ein Leben auch für Paviane nicht schön ist, zeigten Hormonuntersuchungen. Die Einzelgänger hatten deutlich höhere Stresshormon-Spiegel als die anderen beiden Typen.

Warum aber, so fragen sich die Forscher, gibt es überhaupt Einzelgänger, wenn sie doch offensichtlich nur Nachteile haben? Vermutlich täuscht dieser Eindruck, und ihre Zurückgezogenheit nützt den Weibchen oder deren Familienangehörigen doch irgendwie.