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Partnerwahl:Weil er den anderen gefällt

Wenn wir den Partner fürs Leben suchen, dann lassen wir uns nicht von jedem X-Beliebigen dreinreden - denken wir. Tatsächlich haben fremde Menschen jedoch einen großen Einfluss auf unsere Partnerwahl.

Wenn wir unseren neuen Partner im Freundeskreis oder der Familie vorstellen, warten wir gespannt auf deren Urteil. Zeigt dann die beste Freundin oder der beste Freund mit dem Daumen nach unten, kommen wir ins Grübeln und die neue Eroberung verliert unter Umständen auch bei uns selbst an Ansehen.

Speed Dating

Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen: Wir lassen uns von fremden Menschen bei unserer Partnerwahl beeinflussen.

(Foto: AFP)

Menschen, die uns nahe stehen, können unserer Partnerwahl also erheblich beeinflussen. Doch nicht nur sie.

Der Psychologe Skyler Place von der Indiana University und sein Kollege Jens Asendorpf von der Berliner Humboldt Universität haben mit ihrem Forschungsteam Erstaunliches herausgefunden: Wir lassen uns bei der Wahl des Lebensgefährten sogar vom Urteil Wildfremder beeinflussen.

Diese Erkenntnis wirkt zunächst befremdlich, da die Partnerwahl schließlich von jedem für einen individuellen Prozess gehalten wird, bei dem man selbst darüber entscheidet, wie gut der andere zu einem passt.

Wir kopieren die Partnerwahl der anderen

"Aber Menschen achten genauso wie viele Tiere auf die Vorlieben anderer, um den Suchprozess effektiver zu machen. Derjenige, den die anderen gut finden, könnte auch eine gute Wahl für uns selbst sein", erklärt Place.

"Mate choice copying" nennt man das Phänomen, dass man sich bei der Partnerwahl an der Wahl von Artgenossen orientiert. Im Tierreich ist dieses Verhalten vor allem bei Fischen und Vögeln bekannt. Aber Biologen gehen davon aus, dass es dieses "Kopieren der Partnerwahl" auch beim Menschen geben könnte.

Um diese Annahme zu überprüfen, luden Place und sein Team 40 Frauen und Männern ins Labor. Den Versuchspersonen zeigten sie dort acht Video-Aufnahmen einer Speed-Dating-Veranstaltung.

Vor dem Abspielen der einzelnen Aufnahmen wurde den Frauen das Foto des Mannes im Speed-Dating-Video gezeigt, den Männern die Frau. Nun sollten die Teilnehmer auf einer Skala von eins bis neun entscheiden, wie interessant die jeweilige Person für sie als potentieller Partner wäre.

Im nächsten Schritt schauten sich die Studienteilnehmer an, wie die Person auf dem Foto bei der Speed-Dating-Veranstaltung mit dem anderen Geschlecht agierte. Danach sollten sie nochmals ein Urteil darüber abgeben, ob der oder diejenige als Partner in Frage käme.

Hatten die männlichen Teilnehmer Interesse an einer Frau, wurde dieses durch das Ansehen des Videos in der Regel verstärkt. Das Interesse wuchs umso mehr, je mehr sich der Mann im Video ebenfalls für die Frau interessierte - allerdings nur, wenn die Teilnehmer den betreffenden Mann im Video als mindestens genauso attraktiv oder attraktiver einschätzten wie sich selbst.

"Bei Männern spielt die relative Attraktivität der Menschen eine Rolle - nicht jeder kann ihr Verhalten beeinflussen, nur andere Männer, von denen sie denken, dass sie mindestens genauso attraktiv sind wie sie selbst", sagt Place.

Bei den Frauen wuchs das Interesse allerdings nur, wenn die Frau beim Speed-Dating interessiert an dem jeweiligen Gegenüber schien. War sie es nicht, ging auch das Interesse der Versuchsteilnehmerinnen zurück. Die Attraktivität der Frau im Video spielte dabei keine Rolle.

Offenbar, so folgern die Psychologen, haben fremde Menschen tatsächlich Einfluss auf unsere Partnerwahl.

Doch auch in anderen Kontexten beeinflussen die Mitmenschen unser Verhalten, erklärt Place. Wenn man auf eine Party gehe, auf der man niemanden kenne, könnte man zu sich selbst auch sagen: Was interessiert es mich, was hier irgendjemand über mich denkt!

"In Wirklichkeit achten wir sehr darauf, was andere in unserer sozialen Umgebung denken oder tun", sagt der Psychologe.

© sueddeutsche.de/cosa/mcs
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