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Künstliche Intelligenz:Das System kann auf die Erfahrung unzähliger Parfümeure zurückgreifen

Auch die Zahl der bekannten und bereits charakterisierten Duftkombinationen ist riesig. Allein in der Datenbank von Symrise finden sich etwa 1,7 Millionen Duftformeln. "Als Parfümeur habe ich ein begrenztes Gedächtnis, eine begrenzte Erfahrung", sagt Apel. "Wenn wir jedoch künstliche Intelligenz verwenden, können wir auf die kombinierte Erfahrung von Hunderten Parfümeuren zurückgreifen, quasi auf das kollektive Gedächtnis, das unsere Firma in den letzten 200 Jahren aufgebaut hat."

Zentraler Ausgangspunkt für die Entwicklung eines neuen Dufts sei eine Idee, sagt Apel. "Es braucht eine klare Vorstellung von dem, was man haben möchte: Welchen Duft soll das Produkt verströmen?" Dann gehe es darum, diese Idee zu realisieren. Hier kommt IBM ins Spiel.

Seit einigen Jahren nutzt der Konzern künstliche Intelligenz, also lernfähige Algorithmen, um Geschmackskombinationen und Rezepte zu kreieren. Darauf aufbauend hat IBM Philyra erschaffen. "Philyra nutzt die neuesten Methoden des maschinellen Lernens, um Millionen an Duftformeln und Tausende Rohstoffe zu durchstöbern", sagt Richard Goodman vom IBM Watson Research Center bei New York. Er leitet eine Forschungsgruppe, die sich mit der Anwendung von künstlicher Intelligenz auf kreative Prozesse wie die Erschaffung neuer Düfte beschäftigt.

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"Philyra lernt aus den großen, für den Menschen unüberschaubaren Datenmengen, was einen brauchbaren Duft ausmacht, welche Kombination von Zutaten also gut funktioniert", sagt Goodman. "Zudem haben wir Philyra darauf trainiert vorherzusagen, wie Menschen einen Duft wahrnehmen und wie unterschiedlich sie zwei Düfte empfinden." Das sei wichtig, da sich ein neuer Duft immer stark genug von bekannten Düften unterscheiden müsse, um als einzigartig zu gelten.

Mithilfe von Philyra können die Parfümeure auch einzelne Substanzen in einer bekannten Duftformel durch alternative Rohstoffe ersetzen. "Natürlich kann eine Maschine nichts riechen", sagt Goodman. "Sie weiß zunächst nicht wirklich, ob eine neue Duftformel gut ist oder nicht. Aber sie kann anhand der Daten lernen und dann etwas prognostizieren."

Philyra ersetzt den Parfümeur aber nicht. "Meine Aufgabe war es, der künstlichen Intelligenz beim Lernprozess zu helfen zu identifizieren, ob sie alles korrekt macht und ob sie das gewünschte Ziel verfolgt", sagt Apel. Er interpretierte also die Resultate und gab Feedback. "Ich glaube, jeder Parfümeur, der das macht, würde zu einer anderen Schlussfolgerung kommen. Denn die Parfümerie ist ein Handwerk und eine Kunst. Und jeder Künstler hat seinen persönlichen Stil." Heute sei Philyra in der Lage, sehr ausgewogene, einzigartige Düfte zu erschaffen. Oder zu prognostizieren, welches Parfüm in Deutschland funktionieren dürfte, welches in China.

Der maschinell kreierte Duft begeisterte Tester deutlich mehr als ein klassisches Produkt

"Letztlich sind wir aber vor allem an der Entwicklung neuer Parfüms interessiert", sagt Achim Daub, Vorstandsmitglied von Symrise. "Fast jedes Konsumprodukt, von einer Waschseife über ein Haarpflegeprodukt bis zu einer Körperlotion, trägt einen speziellen Duft - es sei denn, es ist explizit als parfümfrei deklariert." Im Idealfall unterstreiche der Duft den Nutzen eines Produkts und bereichere das sinnliche Erlebnis des Kunden.

"Konsumenten schauen immer nach etwas Neuem, nach neuen Erfahrungen", sagt Daub. "Daher besteht immer ein Bedarf für die Kreation neuer Düfte." Hierbei würde Philyra neue Möglichkeiten eröffnen. "Es geht um nichts weniger als die Zukunftsfähigkeit unserer Firma, die wir durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz sicherstellen wollen", sagt Daub. Künstliche Intelligenz werde die Spielregeln in der Branche verändern.

Die beiden neu entwickelten Düfte richten sich an die brasilianischen Millennials. Die Parfüms dienten IBM und Symrise als Machbarkeitsbeweis für den Einsatz von Philyra. Dazu arbeiteten die beiden Firmen mit dem brasilianischen Kosmetikhersteller O-Boticário zusammen. "In einem Konsumententest ließen wir die neuen Parfüms gegen ein führendes Parfüm antreten, das diese Zielgruppe gerne nutzt", sagt Daub. "Zu unserer Überraschung haben die neuen, mithilfe von künstlicher Intelligenz erzeugten Parfüms den Klassiker klar geschlagen."

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