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Parasiten:Zombiepflanzen werden zwangssterilisiert

Parasitäre Bakterien haben einen perfiden Trick entwickelt, um Pflanzen zu ihren Sklaven zu machen. Sie machen die Pflanzen erst unfruchtbar, dann erfolgt der Weitertransport mit dem Lufttaxi.

Von Katrin Blawat

Hängt das eigene Leben von dem Verhalten eines anderen ab, kann es nicht schaden, diesen vollständig zu kontrollieren. Parasiten beherrschen dieses Konzept perfekt, viele können ihre Wirte sogar regelrecht umprogrammieren.

Das gilt auch für sogenannte Phytoplasmen, kleine Bakterien. Sie leben im Gefäßsystem vieler Pflanzen und sind darauf angewiesen, dort mit lebenswichtigen Stoffen versorgt zu werden. Doch damit nicht genug: Um sich weiter verbreiten zu können, benötigen die Parasiten auch noch Insekten wie Zikaden.

Von ihnen lassen sich die Bakterien von Pflanze zu Pflanze transportieren. Nun haben Forscher um Saskia Hogenhout von der Universität Wageningen in den Niederlanden den Mechanismus entdeckt, mit dem die Parasiten dafür sorgen, dass alles nach ihrem Plan läuft. Demnach beeinflusst ein einziges Protein der Bakterien sowohl das Verhalten der Pflanze als auch das der Insekten.

Lockruf für den Weitertransport

Das Molekül namens SAP54 veranlasst die Pflanzen, sich selbst zu sterilisieren. Um dies zu erreichen, gibt das Bakterien-Protein ein Signal, woraufhin die Pflanze ihre eigenen Moleküle zerstört, die für die Blütenbildung notwendig sind. Die sterilisierten Pflanzen wiederum locken besonders stark Insekten wie Schaumzikaden an. Die Forscher konnten sogar zeigen, dass im Labor allein das Protein SAP54 diese Anziehungskraft entwickelt - die Bakterien selbst sind dazu gar nicht notwendig.

Damit reihen sich die Phytoplasmen in eine lange Reihe von Parasiten ein, die ihre Wirtsorganismen zu Zombies machen. Das gelingt zum Beispiel auch dem Pilz Puccinia monoica. Er veranlasst Pflanzen ebenfalls dazu, sich zu sterilisieren. Dabei bilden sie sogenannte Pseudoblüten aus, in denen sich die Parasitenzellen befinden. Die Pseudoblüten locken Insekten an. Wenn diese - vergeblich - versuchen, die infizierte Pflanze zu bestäuben, nehmen sie den Pilz auf und verbreiten ihn weiter.

© SZ vom 10.04.2014
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