Hitzewelle:Wissenschaftler warnen vor erhöhter Ozonbelastung

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Hitzewelle: Ozon wird am Boden vor allem aus Stickoxiden gebildet, etwa aus Autoabgasen.

Ozon wird am Boden vor allem aus Stickoxiden gebildet, etwa aus Autoabgasen.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Die Hitze treibt auch die Ozonwerte in Deutschland nach oben. Was das für den Körper bedeutet - und warum Sport bei hohen Schadstoffkonzentrationen keine gute Idee ist.

Von Marlene Weiß

Die aktuelle Hitze ist nicht nur für den Kreislauf und insbesondere für ältere Menschen belastend, sie führt auch zu teils bedenklichen Ozonwerten am Boden. Während nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) bis Mitte Juli der Informationsschwellenwert von 180 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter nur für insgesamt 16 Stunden überschritten worden war, meldeten allein am Montag 15 Messstationen Überschreitungen, während insgesamt 33 Stunden.

Ab einem Wert von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter wird gewarnt, weil so hohe Ozonkonzentrationen für die gesamte Bevölkerung gesundheitsgefährdend sind. Laut der UBA-Prognose vom Dienstagmorgen war sowohl am Dienstag als auch am Mittwoch mit zahlreichen weiteren Überschreitungen des Informationswertes zu rechnen, vor allem am Dienstag in Nordrhein-Westfalen und am Mittwoch in Hessen. Aber auch in Niedersachsen und Baden-Württemberg dürfte die Schwelle vielerorts überschritten werden, typischerweise vom späten Nachmittag an, morgens und abends ist die Belastung geringer. Vereinzelte Überschreitungen auch der Warnschwelle von 240 Mikrogramm könnten nicht ausgeschlossen werden.

Das Ozon-Molekül O₃, das anders als harmlose Sauerstoffmoleküle aus drei statt zwei Sauerstoffatomen besteht, hat für den Menschen positive und negative Auswirkungen. Die Ozonschicht in der Stratosphäre oberhalb von rund 15 Kilometern Höhe schützt vor UV-Strahlung. In tieferen Schichten ist Ozon jedoch ein Treibhausgas, und am Boden wirkt es als Luftschadstoff, der empfindliche Menschen bereits in mittleren Konzentrationen belasten kann und in hohen Konzentrationen für alle ungesund ist.

Die Belastung ist am Stadtrand oft höher als im Zentrum

Hitze und starke Sonneneinstrahlung treiben die Ozonbildung an, darum stehen die erhöhten Werte in klarem Zusammenhang mit der Hitzewelle. Ozon entsteht etwa, wenn Sonnenlicht auf Stickstoffdioxid trifft, vor allem aus dem Verkehr, oder auf flüchtige organische Verbindungen etwa aus Lösemitteln. Die Belastung ist aber außerhalb der Innenstadt oft höher, weil Stickstoffdioxid auch am Stadtrand oder in angrenzenden Gebieten vorhanden ist, während im Zentrum das Ozon von weiteren Abgas-Schadstoffen wie Stickstoffmonoxid wieder abgebaut wird.

Auch die Wissenschaftler des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus warnten am Dienstag davor, dass die sehr hohe Ozonbelastung in Südeuropa nun auf den Nordwesten übergreifen könne. Bereits in der vergangenen Woche waren insbesondere über der Iberischen Halbinsel und in Norditalien teils Werte oberhalb von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen worden. Seit Montag stiegen die Konzentrationen nun auch im Norden und Westen Europas laut der Copernicus-Daten verbreitet auf mehr als 120 Mikrogramm pro Kubikmeter an. Mit den Höchstwerten rechnen die Wissenschaftler bis Mittwoch, danach sollte die Belastung wieder sinken.

Erhöhte Ozonwerte können zu Halsschmerzen, Husten oder Kopfweh führen und das Risiko für Asthmaanfälle erhöhen. Vor allem nach Sport im Freien können bei Schulkindern und Erwachsenen die Lungenfunktion und die körperliche Leistungsfähigkeit vermindert sein. Normalerweise gehen diese Einschränkungen spätestens nach zwei Tagen zurück, es kann aber besonders bei körperlicher Anstrengung vorkommen, dass Ozon entzündliche Veränderungen im Lungengewebe hervorruft. Auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind erhöhte bodennahe Ozonwerte ein Faktor. Die Lancet Commission on Pollution and Health schätzt, dass jährlich 370 000 verfrühte Todesfälle auf Ozonbelastung zurückgehen.

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