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Tiefsee:Unbekannte Welt

Ozeanboden

Der Ozeanboden ist abwechslungsreicher geformt als oft gedacht.

(Foto: Nippon Foundation/www.gebco.net)

Erst ein Fünftel des Meeresgrundes ist bislang vermessen worden. Bis 2030 soll es eine vollständige Karte der Ozeanböden geben.

Von Patrick Illinger

Vor wenigen Wochen verbreiteten Astronomen die Erfolgsmeldung, dass der Mond nun geologisch vollständig kartiert sei. Ähnlich gut bekannt ist die Oberfläche des Mars. Doch bei all der Euphorie für den Weltraum gerät mitunter unser eigener Planet aus den Augen. Von diesem ist weniger als die Hälfte der Oberfläche bekannt. Mehr als 70 Prozent der Erde sind von Ozeanen bedeckt, und wie der Grund der Weltmeere geformt ist, ist nach wie vor weitgehend unbekannt.

Immerhin meldet soeben ein von der Nippon-Stiftung gefördertes Forschungskonsortium, dass nun fast ein Fünftel des Ozeangrundes bathymetrisch erfasst sei. Die Bathymetrie bezeichnet innerhalb der Ozeanforschung die Erkundung der Form des Meeresbodens. Von diesem seien mittlerweile 19 Prozent vermessen, insgesamt 69 Millionen Quadratkilometer, erklärt das internationale Konsortium GEBCO, dessen Ziel es ist, Daten und Karten vom Meeresgrund weltweit frei verfügbar zu machen. Als die Initiative 2017 begann, waren nur sechs Prozent des Ozeangrunds bekannt. Bis 2030, so die Hoffnung der beteiligten Geophysiker und Hydrographen, soll die Gestalt der Meeresböden vollständig bekannt sein. Zum Vergleich: Der noch unbekannte Teil ist zweimal so groß wie die gesamte Oberfläche des Mars.

Ausgerechnet viele der tiefsten Stellen des Ozeans sind bisher am genauesten kartiert worden

Aus Satellitendaten, welche Schwankungen des Gravitationsfeldes der Erde sowie Wasserbewegungen beobachten, lassen sich zwar recht zuverlässige Rückschlüsse auf die Form des Meeresgrunds ziehen, doch die Genauigkeit der hieraus erstellten Karten ist unbefriedigend: Die Auflösung beträgt mehr als einen Kilometer. Sowohl Wissenschaftler als auch die Industrie bräuchten Karten des Ozeangrundes, die bis auf weniger als hundert Meter genau sind. Das ist beispielsweise für die Verlegung von Pipelines oder Unterseekabeln wichtig.

Zum Teil werden die Messungen der Meerestiefe mit hochpräzisen Sonargeräten unternommen, die Forschungsschiffe hinter sich herziehen. Teils wäre die GEBCO-Initiative aber auch dankbar, wenn zum Beispiel Ölfirmen entsprechende Messungen veröffentlichen würden. Sogar Fracht- oder Passagierschiffe könnten mit ihren GPS- und Echoloten einen wertvollen Beitrag für die Wissenschaft leisten.

Interessant ist, dass die noch unbekannten Bereiche des Ozeangrundes nicht unbedingt die tiefsten Zonen sind. So ist zum Beispiel der Marianengraben, die rund 11 000 Meter unter der Oberfläche gelegene tiefste Rinne im Ozeangrund, extrem genau kartiert.

© SZ
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