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Ostsee-Pipeline:"Nassen Stahl können wir nicht schweißen"

Ostsee-Pipeline

An Land üben Arbeiter schon das Anschrägen und Schweißen der Ränder.

(Foto: Nord Stream AG)

An Deck wird derweil die Schweißstation auf ihren Einsatz vorbereitet. Mit ihrem eckigen Bauch und den vier dünnen Füßen sieht sie aus wie die Mondfähre aus dem Apollo-Programm - mit dem Unterschied, dass die Schweißstation unten und an den beiden Seiten offen ist. So kann der Kranführer sie an genau der Stelle über die Pipeline stülpen, an der die beiden Röhren zusammenstoßen.

Ein Taucher wird anschließend von unten in das Modul schwimmen. Er wird zunächst den Lichtschalter suchen und dann ein Ventil öffnen: Über eine orangefarbene Lebensader strömt Druckluft in die Tiefe. Sie soll - ähnlich wie in einer Tauchglocke - das Wasser nach unten aus dem Modul pressen. Am Grund der Ostsee, in etwa 100 Metern Tiefe, liegen die Pipelines auf einmal trocken. "Das ist auch nötig, denn nassen Stahl können wir nicht schweißen", sagt Bjørn Bakkevig.

Was dann passieren wird, haben die Techniker am Kai von Haugesund bereits mehrfach geprobt. In den Lagerhallen stehen rostbraune Röhren, die von einer welligen, silbrig glänzenden Schweißnaht zusammengehalten werden. Genau so soll es künftig auch in den Tiefen der Ostsee aussehen.

Möglich machen wird das ein 25 Kilogramm schwerer Schweißkopf, der im trockengelegten Modul um die Pipelines kreist - 34 Stunden lang, ferngesteuert von Bord der Skandi Arctic. Die Taucher, längst in Blaumänner gekleidet, müssen im Innern der Schweißstation nur noch zuschauen.

"Weltweit sind derzeit nur 26 Männer in der Lage, diese Aufgabe zu übernehmen", sagt Technip-Manager Nakkestad. Für sie muss die 68-tägige Mission kein einmaliger Auftrag bleiben.

Die Roboter an der Kaimauer von Haugesund sind absichtlich so dimensioniert worden, dass sie auch bei Problemen mit der Nord-Stream-Pipeline zum Einsatz kommen können. Klaglos werden die Taucher dann wieder in ihre Druckkammern kriechen. Wochenlang. Fast wie Astronauten.

Eine animierte Darstellung der Arbeiten am Meeresgrund finden Sie hier .