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Ostsee-Pipeline:Wie Kampfroboter aus Star Wars

Ostsee-Pipeline Schweißkammer

In dieser Kammer - nicht größer als eine Apollo-Kapsel - werden die Pipeline-Enden am Meeresboden zusammengefügt.

(Foto: Nord Stream AG)

Für die Ingenieure und Taucher an Bord der Skandi Arctic spielt all das keine Rolle. Für sie ist das Schweißen nur ein weiterer Auftrag - allerdings einer mit völlig neuen Dimensionen: Bislang sind sie nur zu Pipelines mit einem Durchmesser von 44 Zoll hinabgetaucht. Die Nord-Stream-Stränge messen aber 48 Zoll, also gut 120 Zentimeter. Fast alle Maschinen, die die Röhren heben, schneiden, schweißen sollen, mussten um- oder neu gebaut werden.

Jetzt stehen sie an der Kaimauer von Haugesund, fertig zum Verladen. Sie sehen ein bisschen aus wie die Kampfroboter aus den Star-Wars-Filmen: Links und rechts haben die Maschinen zwei massive Füße, dazwischen hängt an einem Querbalken eine gigantische Greifzange. Über Hydraulikzylinder kann der Greifer nach oben und zur Seite bewegt werden. Bald soll er am Grund der Ostsee die Enden der beiden Pipelines schnappen und in die passende Position fürs Schweißen bringen.

Zuvor müssen allerdings die Taucher ihre engen Quartiere im Bauch der Skandi Arctic verlassen. Sie werden nach der Toilette nicht nach rechts, Richtung Rettungsboot, abbiegen, sondern nach oben. Dort ist eine Tauchglocke ans Drucklabyrinth angeschlossen. Mit einer Größe von sieben Kubikmetern fällt sie nur unwesentlich geräumiger aus als die Apollo-Kapsel, in der die ersten Mondfahrer ausharren mussten. Die Glocke wird die Taucher zum Meeresgrund bringen, wo bereits zwei Roboter auf die Männer warten. Deren Aufgabe besteht vor allem darin, Licht ins ewige Dunkel der Ostsee zu bringen und Kamerabilder an die Oberfläche zu senden.

Erst dann kommen die vermeintlichen Kampfroboter zum Einsatz: Kapitän Thomas Jensen, ein jugendlich wirkender 41-Jähriger mit Jeans und Sandalen, wird die Skandi Arctic exakt an einer Position halten. Auf seiner Brücke, die mit ihren ringsum verlaufenden Fenstern eher an ein luxuriöses Loft erinnert, hat er dafür ein zweites Steuerpult - mit Blick nach hinten aufs Achterdeck.

Dort wird ein Kran die 80 Tonnen schweren Maschinen exakt über der Pipeline in die Tiefe lassen. Motoren in seinem Ausleger sollen selbst die kleinsten Bewegungen des Schiffes kompensieren. "Wir müssen unter allen Umständen verhindern, dass wir beim Absenken die Pipeline beschädigen", sagt Statoil-Ingenieur Bakkevig.

Klappt alles wie geplant, werden die Roboter mit ihren Klauen die beiden Segmente der Pipeline greifen und direkt nebeneinander positionieren. Die Taucher werden mit Diamantschneidern die überstehenden Enden stutzen und anschrägen. Gut drei Zentimeter dicke Stahlwände müssen sie dabei durchtrennen, jeder Schnitt wird eineinhalb Stunden dauern. "Zum Schluss müssen die Längen der beiden Pipelines auf den Millimeter genau stimmen", sagt Technip-Manager Nakkestad. Trotz Tiefe, Kälte, Dunkelheit.