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Olympische Spiele:Der nackte Sprinter, den Michael Phelps nach 2200 Jahren entthronte

Artefacts In The British Museum's Winning At The Ancient Games Exhibition

Diese griechische Vase im British Museum in London zeigt zwar einen Sprinter und stammt aus Rhodos. Den berühmten Athleten Leonidas zeigt sie aber nicht: Sie wurde bereits um 500 v. Chr. gefertigt.

(Foto: Getty Images)

Der US-Schwimmer errang 13 Einzelsiege bei Olympia - einen mehr als Leonidas von Rhodos. Im 2. Jahrhundert vor Christus wurde der griechische Athlet wie ein Gott verehrt.

Der US-Amerikaner Michael Phelps hat insgesamt 22 olympische Goldmedaillen gewonnen. Neun davon stammen aus Staffelwettkämpfen in der Mannschaft. Einzelsiege hat er nun 13 - und damit einen mehr als der bisherige Rekordhalter, dem 2168 Jahre lang niemand den Titel streitig machen konnte: Leonidas von Rhodos. Der Grieche gewann bei vier aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen im 2. Jahrhundert vor Christus jeweils drei Wettkämpfe: In den Jahren 164, 160, 156 und 152 v. Chr. setzte er sich jeweils in drei verschiedenen Lauf-Wettbewerben durch und wurde zum "Triastes", zum "Dreifachen". Ein Dreifachsieg gelang außer ihm nur noch sechs anderen Athleten der Antike. Doch keiner außer Leonidas schaffte es mehr als einmal.

Die Olympischen Spiele waren auch damals schon ein gewaltiges Spektakel, zu dem Sportler und Zuschauer aus der ganzen griechischen Welt anreisten. Im Gegensatz zu heute fanden die Spiele aber von der ersten Austragung im Jahr 776 v. Chr. bis zur letzten im 4. Jahrhundert n. Chr. immer am gleichen Ort statt: im Heiligtum des Zeus in Olympia auf dem Peloponnes. Denn die olympischen Spiele der Antike dienten der Huldigung des obersten Gottes der Griechen, der Anlass war also kultisch.

Nur der Erste bekam einen Preis - der materiell wertlos war

Antreten durften nur Männer (für Frauen gab es allerdings separate Wettkämpfe beim Fest zu Ehren von Zeus' Gattin Hera). Schon 30 Tage vor Beginn der Spiele kamen sie am Wettkampfareal zu einer Art Trainingslager zusammen. Im Gegensatz zu Phelps konnte Leonidas keine Goldmedaillen mit nach Hause nehmen: Der Preis für einen Wettkampfsieg - Zweiter und Dritter gingen leer aus - war ein materiell gesehen wertloser Kranz aus Olivenzweigen aus dem heiligen Hain des Zeus. Geld verdienten die Sportler, die genau wie heute Profis waren, mit der Teilnahme an anderen Wettkämpfen. Davon abgesehen kamen nicht wenige von ihnen aus adeligen Familien, die sich den Trainingsaufwand leisten konnten - möglicherweise auch Leonidas. Das Prestige eines Olympia-Sieges jedoch war mindestens so groß wie heute.

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Leonidas würde man heute als Leichtathleten bezeichnen. Insgesamt war die Zahl der olympischen Disziplinen wesentlich überschaubarer als heute: Laufen über verschiedene Distanzen, Ringen, Boxen und der "Pankration", der in aller Regel blutige Kampf mit allen körperlichen Mitteln. Hinzu kamen Fünfkampf (bestehend aus Weitsprung, Speerwurf, Diskuswurf, Stadionlauf und Ringen) sowie Pferderennen.

Leonidas - ein Sprinter mit Oberkörpermuskeln

Die Laufwettkämpfe, in denen Leonidas so erfolgreich war, fanden auf einer Rennbahn von etwa 190 Metern statt - der Länge der antiken Maßeinheit "Stadion", die der Sportstätte ihren Namen gab. Leonidas gewann jeweils den Lauf über die einfache Länge und über die doppelte Länge, genannt "Diaulos", bei beiden traten die Athleten nackt an. Außerdem siegte er, ebenfalls über zwei Stadionlängen, im "Hoplitodromos" - dem Lauf in Rüstung. Zwar ist nicht ganz klar, wie schwer diese war. Doch hielt man für den Waffenlauf einen anderen Typus Athleten für erforderlich als beim Sprint. Leonidas jedoch war offensichtlich ein hervorragender Sprinter, der zugleich ausreichend Oberkörpermuskeln besaß, um auch in der schweren Rüstung zu rennen. Der griechische Autor Philostratos schrieb 400 Jahre später in seinem Werk "Gymnasticus" über ihn, er habe alle bis dahin geltenden Kenntnisse über Sporttraining und Körpertypen widerlegt.

Nach seinem Tod wurde Leonidas in seiner Heimat Rhodos wie ein Gott verehrt. Nun hat Phelps Leonidas' Rekord eingestellt. Bleibt abzuwarten, ob auch Michael Phelps' Name in 2000 Jahren noch in den Zeitungen auftaucht.

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