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Ökologie und Ökonomie:Der Wert der Fledermaus

Fledermäuse fressen viele Pflanzenschädlinge. Dass die Tiere in den USA massenhaft am Weißnasen-Syndrom sterben, hat deshalb gravierende wirtschaftliche Folgen.

Katrin Blawat

Fledermäuse bereiten amerikanischen Biologen seit Jahren Sorgen. Das sogenannte Weißnasen-Syndrom tötet die nachtaktiven Tiere in den USA in Massen. Die Kleine Braune Mausohr-Fledermaus könnte wegen der Krankheit sogar aussterben.

Fledermaus

Schrumpfende Fledermaus-Populationen haben gravierende wirtschaftliche Folgen für die USA.

(Foto: Merlin D. Tuttle, Bat Conservation International, www.batcon.org)

Die schrumpfenden Fledermaus-Populationen haben aber auch gravierende wirtschaftliche Folgen, wie Ökologen um Justin Boyles von der University of Pretoria in Südafrika im Fachblatt Science zeigen (online).

Je nachdem, welche Region man den Berechnungen zugrunde legt, beträgt der wirtschaftliche Wert der Fledermäuse in den USA zwischen 3,7 und 53 Milliarden Dollar pro Jahr.

Fledermäuse fressen Insekten, darunter viele Pflanzenschädlinge. Geschätzte 1,3 Millionen Insekten pro Jahr fallen einer Kolonie Fledermäuse zum Opfer - normalerweise. Bleiben all diese Insekten jedoch am Leben, schaden sie möglicherweise der Ernte, wenn der Mensch nicht mit Gift eingreift. In den Baumwollplantagen in Texas müsste man daher zum Beispiel zwischen zwölf und 173 Dollar pro Hektar aufbringen, wenn es keine insektenfressenden Fledermäuse gäbe.

Derartige Angaben nutzten die Forscher, um den Beitrag der Fledermäuse zur Agrarindustrie für die gesamten USA hochzurechnen. Dass sie auf diesem Weg nur sehr unsichere Ergebnisse erhalten, verschweigen die Forscher nicht.

"Doch sogar wenn man unsere Hochrechnungen viertelt, wird deutlich, welch enormen Einfluss Fledermäuse auf die Agrar- und Forstindustrie haben", sagt Autor Gary McCracken. Fledermäuse tragen außerdem zur Verbreitung von Pflanzensamen bei - der wirtschaftliche Wert hiervon lässt sich allerdings nicht beziffern.

Als Ursache für das Verschwinden der Fledermäuse machen die Biologen zum einen den Pilz aus, der das Weißnasen-Syndrom hervorruft. Seit dem ersten Auftreten der Krankheit vor fünf Jahren seien mehr als eine Million Tiere daran gestorben, schreiben die Forscher.

Noch ist zum Beispiel unklar, warum der Pilz plötzlich auftauchte - und wie er sich eindämmen lässt. Zum anderen verunglücken vor allem in den USA viele Fledermäuse tödlich an Windkraftanlagen. Verlässliche Zahlen hierzu fehlen jedoch ebenso wie Erklärungen, warum die Tiere so häufig mit den Anlagen kollidieren. Vorschläge, wie sich die Fledermäuse retten ließen, können auch Boyles und sein Team nicht machen.

© SZ vom 01.04.2011/mcs

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