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Umweltschutz:Subventionen machen den Bau rentabel

Was also treibt Wasserkraft wirklich an? Eichelmann hat eine klare Antwort: "Die Subventionen. Ohne die Förderung wären 90 Prozent der Anlagen schlicht unrentabel." Die Subventionen machten das Geschäft sehr rentabel - für Baufirmen, Banken und Energieunternehmen.

Welche Banken und Firmen hinter dem Staudamm-Boom stehen, listet ein neuer Bericht der Organisation Bankwatch detailliert auf. Finanzinstitute wie die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Weltbank seien die treibende Kraft. 727 Millionen Euro hätten diese Banken seit 2005 in 82 Wasserkraftwerke auf dem Balkan investiert, 37 davon in Schutzgebieten. Die EBRD ist Bankwatch zufolge der größte öffentliche Investor und finanziert direkt oder indirekt mindestens 61 neue Projekte, die Hälfte davon in geschützten Gebieten. Darauf angesprochen, verweist die EBRD auf ihre Umwelt- und Sozialrichtlinien und verspricht, Bericht und Projekte auf dem Balkan auf die diese Umweltstandards hin zu überprüfen.

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Auch die kommerziellen Banken lassen viel Geld in die Dämme fließen: An 158 neuen Projekten sind sie Bankwatch zufolge beteiligt, ein Drittel davon in Schutzgebieten. Die beiden größten Investoren: die österreichische Erste und Steiermärkische Bank und die italienische Unicredit. Auch die Deutsche Bank finanziert Wasserkraftwerke auf dem Balkan. Das widerspricht oft den eigenen Öko-Verpflichtungen: Die Unicredit etwa hat mehrere Wasserschutz- und Dammbau-Richtlinien unterschrieben und verspricht, sich aus Naturschutzgebieten herauszuhalten. Tatsächlich finanziert die Bank sechs Staudämme in solchen Gebieten. "Wir kommentieren einzelne Projekte nicht", schreibt die Unicredit dazu auf Anfrage.

Unter den Energieunternehmen ist die österreichische Kelag - mit RWE als größtem Anteilseigner - einer der Hauptinvestoren: Sie betreibt, baut oder plant etwa 18 Kraftwerke auf dem Balkan. Allein sieben Anlagen sind in dem kosovarischen Nationalpark Bjeshkët e Nemuna geplant. Doch dies seien nur "Projektideen in einem sehr frühen Stadium, mehr nicht", sagt Kelag-Sprecher Josef Stocker. In geschützten Gebieten sei "es gar nicht möglich, eine Genehmigung für ein Kraftwerk zu erhalten." Warum die Kelag aber Wasserkraftwerke im Nationalpark plant, bleibt unklar. Stocker betont: "Wir halten uns stets an die geltenden Gesetze und Vorschriften."

Doch die geltenden Umweltschutzgesetze werden meist nicht konsequent genug umgesetzt. "Korruption ist weit verbreitet", sagt Eichelmann. Baufirmen und Politiker seien oft bestens vernetzt. Nur so sei es möglich, dass so viele Anlagen mitten in Schutzgebieten entstehen. Dass Konzessionen an Günstlinge vergeben werden und oft genug auf dem Schwarzmarkt weiterverkauft würden, während die lokale Bevölkerung in den meisten Fällen weder informiert noch beteiligt sei.

Trotzdem besteht Hoffnung für Europas letzte Wildflüsse. So überarbeiten die Banken EBRD und EIB ihre Umwelt- und Sozialstandards dieses Jahr, die EIB will Richtlinien für Wasserkraftfinanzierung aufsetzen. "Das ist eine große Chance, um die Regeln zu straffen und die Finanzierung von Wasserkraft in sensiblen Gebieten auszuschließen", sagt Pippa Gallop, eine der Autorinnen der Bankwatch-Studie. Auch auf europäischer Ebene setzt sich langsam die Einsicht durch, die Subventionen für Wasserkraft zurückzufahren.

Dafür kämpft auch die Outdoor-Firma Patagonia. Seit vier Jahren engagiert sich das US-Unternehmen für den Schutz von Flüssen, kämpft gegen neue und alte Dämme. Die Firma um Gründer Yvon Chouinard fördert Aktivisten und NGOs vor Ort, hat einen Film gedreht und eine Petition gestartet. Jeder kann mit seiner Unterschrift Banken wie die EBRD auffordern, den Staudämmen den Hahn abzudrehen.

Derweil greifen die Umweltschützer zu weiteren Mitteln: Riverwatch klagt immer wieder gegen rechtswidrige Projekte. Mit Erfolg: An der Vjosa steht die begonnene Dammbaustelle seit Jahren still. Zudem kämpfen die NGOs für Europas ersten Wildfluss-Nationalpark an der Vjosa. Die Bevölkerung soll über Einnahmen aus dem Tourismus profitieren.

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Eine weitere Lösung für den Balkan: Energie sparen. Heizsysteme und fehlende Gebäudedämmungen verschwenden Unmengen Energie, dazu gingen allein in den Netzen 30 bis 40 Prozent der Energie verloren, sagt Eichelmann. Und die Zukunft liegt in Wind und Sonne: Albanien etwa hat über 300 Sonnentage im Jahr. Und bislang nur ein einziges kleines Solarkraftwerk.