Ökologie Ein bunter Wald

Eine neue Karte zeigt, wo besonders viele Baumarten auf einem Fleck wachsen. Besonders hoch ist die Vielfalt in den feuchtwarmen Tropen.

Von Christoph von Eichhorn

Die Vielfalt der Bäume ist auf der Welt nicht gerade gerecht verteilt. Während auf den riesigen Landmassen von Eurasien und Nordamerika weniger als 100 verschiedene Arten wachsen, findet man in den tropischen Regenwäldern schon auf einem halben Quadratkilometer oft Hunderte verschiedene Baumspezies. Um diese Unterschiede zu verstehen und die Vielfalt zu bewahren, könnte eine neue Karte der Bäume helfen, die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) gezeichnet haben. Dazu kombinierten die Forscher 1600 verschiedene lokale und regionale Erhebungen zu einem Datensatz.

In den tropischen Regenwäldern ist die Viefalt von Baumarten besonders groß.

(Foto: dpa)

Die meisten Baumspezies wachsen demnach in den feuchtwarmen Tropen, etwa dem Amazonasgebiet, dem Kongobecken oder den Regenwäldern von Südostasien. Auch im Bergland von Harenna in Äthiopien stehen besonders viele verschiedene Waldtypen. Ein weiterer Hotspot ist das südliche China. Dort herrsche eine Vielfalt, die deutlich größer sei als in klimatisch ähnlichen Regionen, schildern die Ökologen im Fachmagazin Nature Ecology and Evolution.

Von Tal zu Tal unterscheidet sich im bergigen Südchina der Artenreichtum der Wälder

Den größten Einfluss auf die Waldvielfalt habe das Klima. "Warmes und feuchtes Klima begünstigt die Biodiversität", sagt Petr Keil, einer der Autoren der Studie. Könnten Wälder dann unter Umständen von der Erderwärmung profitieren? "Das könnten sie, wenn sie sich schnell genug anpassen", sagt Keil. Vermutlich seien Bäume dafür aber zu langsam. "In Europa hat die Zusammensetzung der Wälder noch immer nicht mit dem Rückzug der Eiszeitgletscher vor 12 000 Jahren Schritt gehalten." Sie seien praktisch immer noch auf dem Weg in den Urzustand zurück. Die letzte Eiszeit dürfte auch ein Grund sein, warum auf der Nordhalbkugel eher wenige verschiedene Arten wachsen.

Die Weltkarte zeigt die Vielfalt der Baumarten, die auf den verschiedenen Kontinenten wachsen.

(Foto: iDiv)

In bergigen Gebieten wie Südchina tritt zudem das Phänomen der Betadiversität auf. Wenn man dort ein einzelnes Waldstück durchstreift, mag einem die Anzahl der verschiedenen Bäume gar nicht so hoch vorkommen. Sobald man aber das nächste Tal erreicht, findet man wieder andere Arten. Es reiche also nicht, ein einzelnes Tal zu schützen - erst die Vielfalt der Gegenden mache den hohen biologischen Wert aus.