bedeckt München 17°

Ökologie:Die Kaninchen-Katastrophe

Wenn Menschen versuchen, Ökosysteme zu regulieren, geht das manchmal furchtbar schief. Ein Beispiel dafür ist die Insel Macquarie.

Ökosysteme sind so komplex, dass Versuche des Menschen sie zu regulieren, dramatische Konsequenzen haben können. Ein Beispiel dafür ist die Insel Macquarie im Südpolarmeer.

Auf halber Strecke zwischen Australien und der Antarktis: Macquarie Island.

(Foto: Foto: Mike Preece/Australian Department of the Environment)

Vom Menschen eingeführte Katzen und Kaninchen haben hier einen Teufelskreis der Zerstörung verursacht. Mehr als 24 Millionen australische Dollar (etwa zwölf Millionen Euro) sind nötig, um die Umweltschäden zu beseitigen. Das berichten Experten um Dana Bergstrom von der Australian Antarctic Division (AAD) im Journal of Applied Ecology.

"Satellitenbilder zeigen Veränderungen der Insel-Vegetation durch Kaninchen", sagte Bergstrom. "Wir schätzen, dass sich 40 Prozent der Insel gewandelt haben."

Kaninchen waren 1878 von Robbenfängern auf die Insel gebracht worden, die etwa 34 Kilometer lang und 5 Kilometer breit ist und ungefähr auf halber Strecke zwischen Australien und der Antarktis liegt. Nachdem die Kaninchen eine hohe Zahl erreicht hatten, fingen die Katzen an, diese zu jagen. Die Katzen waren bereits 60 Jahre zuvor nach Macquarie gelangt.

Weil die Kaninchen die Insel dennoch allmählich kahlfraßen, wurden 1968 Flöhe ausgesetzt, die die Nager mit sogenannten Myxoviren infizieren und damit töten sollten. Die Zahl der Kaninchen sank daraufhin tatsächlich von 130.000 (1978) auf weniger als 20.000 in den 1980er Jahren.

Erst Kanninchen, dann Katzen

Nun stürzten sich die Katzen auf einheimische Vögel. Ein Programm zur Ausrottung der Katzen startete 1985 - das letze Exemplar starb im Jahr 2000. Daraufhin wuchs die Zahl der Kaninchen wieder so stark an, dass die Nager innerhalb weniger Jahre große Areale der Insel veränderten.

"Die Kaninchen haben enorme Schäden angerichtet. Dazu gehört auch der Wandel von vielschichtiger Vegetation zu abgegrasten oder kahlen Flächen", sagte Bergstrom. "Unsere Studie zeigt, dass zwischen 2000 und 2007 große Zerstörungen am Ökosystem angerichtet und jahrzehntelange Naturschutzarbeit aufs Spiel gesetzt wurden."

Naturschutzbehörden weltweit sollten daraus lernen, dass Eingriffe umfassend sein müssen. Nach Ansicht der Expertin zeigt die Untersuchung, dass die in der Theorie zu erwartenden Veränderungen in der Nahrungskette nach der Entfernung einer Art tatsächlich eintreten. Allerdings könne sich auch das Ökosystem nachteilig verändern. Der Nutzen, eine Art zu entfernen, werde damit aufgehoben.

Die Insel Macquarie gehört wegen ihrer geologischen Bedeutung seit 1997 zum Weltnaturerbe der Unesco: Es ist der einzige Ort auf unserem Planeten, auf dem Gesteinsbrocken aus dem Mantel der Erde hervortreten. In dem kühlen und maritimen Klima wachsen Pflanzen, wie sie ähnlich auch in der Tundra vorkommen. Das Eiland liegt etwa 1500 Kilometer südöstlich der größten australischen Insel Tasmanien.

© dpa/mcs
Zur SZ-Startseite