ErnährungDieses Gemüse ist gemein

Das Grünzeug auf dem Teller hat einen viel zu guten Ruf. Avocados verwüsten ganze Landstriche, Erdnüsse töten, Weißkohl traumatisiert Kinder. Eine kleine Ernährungsberatung.

Gefahr in der Hülse

Die Erdnuss ist im botanischen Sinn noch nicht mal eine Nuss, sondern eine Hülsenfrucht. Und das ist nur das erste Problem. Es besteht der dringende Verdacht, dass wir es mit einer Hochstaplerin zu tun haben, die sich als Heilsbringerin feiern lässt, um sich hinterrücks an Kindern zu vergehen.

Was verspricht man sich nicht alles von der Erdnuss? Sie soll einen positiven Einfluss auf einen erhöhten Cholesterinspiegel haben, eine hervorragende Eiweiß-, Vitamin-B-, Vitamin-E- und Vitamin-sonstwas-Quelle sein, das Risiko verschiedener Krankheiten verringern und das Leben verlängern. Es würde nicht überraschen, wenn ihr Experten bald auch die Befriedung des Nahostkonflikts zutrauen würden. Doch was Obama nicht geschafft hat, das schafft auch die Erdnuss nicht. Dem Menschen ist sie vor allem eines: eine Gefahr. Schon winzige Spuren im Essen können bei Allergikern Hautausschlag, Atemnot oder Kreislaufzusammenbrüche verursachen. In westlichen Ländern sind heute bereits bis zu drei Prozent der Kinder von einer Erdnussallergie betroffen, offenbar doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren.

Die Erdnuss verdient nur unsere Verachtung! Nach der Leitlinie eines US-amerikanischen Allergie-Instituts soll Kindern dennoch frühestmöglich erdnusshaltige Nahrung zugeführt werden - um einer Allergie vorzubeugen. Was aber ist erstrebenswert daran, Kinder mit einer Hülsenfrucht zu traumatisieren, die gerne Nuss wäre, aber eigentlich nur Erbse ist? Richtig. Gar nichts.

9. Juni 2019, 06:212019-06-09 06:21:15 © SZ vom 8.06.2019/cvei