Norddeutsches Wattenmeer:Verbotene Insel

Die Insel Norderoogsand wächst seit 1999 aus dem Meer, inzwischen ist sie ein wichtiger Lebensraum für Vögel und Seehunde. Für Menschen ist das Betreten des Naturschutzgebiets streng verboten. Es gibt aber Ausnahmen.

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Neue Nordseeinsel Norderoogsand

Quelle: dpa

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Die Insel Norderoogsand wächst seit 1999 aus dem Meer, inzwischen ist sie ein wichtiger Lebensraum für Vögel und Seehunde. Für Menschen ist das Betreten des Naturschutzgebiets streng verboten. Es gibt aber Ausnahmen.

Nordfrieslands neue Insel Norderoogsand entwickelt sich prächtig. Das 15 Hektar große Eiland im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist mittlerweile Nistplatz seltener Vogelarten geworden. Im vergangenen Jahr zählten die Biologen rund 250 Brutvogelpaare auf der Insel, sagt Martin Stock vom Nationalparkamt. Der Biologe beobachtet die Entstehung des kleinen Eilands seit mehr als zehn Jahren. "Es ist eine richtige Vogelinsel geworden."

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Auf die Entstehung der Insel waren Umweltschützer vom Verein Jordsand aufmerksam geworden. Sie betreuen eine acht Kilometer lange und drei Kilometer breite Sandbank 25 Kilometer westlich von Husum. 1999 entdeckten sie an der Nordspitze der Sandbank plötzlich kleine Hügel: Wie aus dem Nichts hatten sich dort sogenannte Primär-Dünen aufgetürmt.

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Die heimlichen Dünenbauer, auf die Norderoogsand zurückgeht, sind zwei unscheinbare, aber äußerst robuste Pflänzchen. "Zunächst siedeln sich auf den höheren Buckeln einzelne Salzmieren an. Dann folgt die Binsenquecke", sagt Martin Stock. Beide Pflanzen können dem "Sandstrahlgebläse" des Flugsandes widerstehen und befestigen ihn mit ihren Wurzeln, erklärt der Experte. Später kommen dann andere Pflanzen wie Strandhafer, Dreizack, Wermut und Keilmelde hinzu.

Im Bild: Hölzerne Stützen einer ehemaligen Beobachtungsstation ragen im Wattenmeer vor Pellworm aus dem Sand

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Mittlerweile erhebt sich Norderoogsands höchste Düne bereits 3,50 Meter über den Meeresspiegel - das ist doppelt so hoch wie 2006/7. Und in den Dünentälern gibt erste Anzeichen von Salzwiesen. "2012 haben wir 49 Pflanzenarten gezählt - zehnmal mehr als fünf Jahre zuvor", so Stock. Diese Dünenlandschaft bietet Käfern, Schwebfliegen und anderen Insekten Lebensraum, aber auch den Brutvögeln. Mittlerweile brüten Silbermöwen und Heringsmöwen, Austernfischer, Eiderenten, Graugänse und Sandregenpfeifer auf dem Eiland. Und seit 2008 konnte Stock sogar einen Wanderfalken beobachten.

Im Bild: Eine Kaffeekanne ungeklärter Herkunft steht im Juni 2013 auf dem Norderoogsand

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Norderoogsand ist eine wichtige Kinderstube für Vögel, aber auch wichtiger Rastplatz während des Vogelzugs. Außerdem halten sich Gänse und Entenvögel sowie diverse Watvogel-Arten in Schwärmen von mehreren tausend Tieren dort auf. Dazu kommen Robben: "Ein paar hundert Seehunde sowie vereinzelte Kegelrobben nutzen Norderoogsand als Ruheplatz", sagt Martin Stock. Seehund-Mütter lassen ihren Nachwuchs auf der neuen Insel warten, während sie im Wattenmeer auf die Jagd gehen.

Im Bild: Gelege von Austernfischern

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Quelle: Carsten Rehder/dpa

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Und wie sieht die Zukunft Norderoogsands aus? Ob das Eiland weiter wächst oder wieder vom Meer verschlungen wird, weiß niemand, sagt Stock. "Wir hatten Glück, dass wir in den vergangenen Jahren wenige Sturmfluten hatten." Einer zweieinhalb Meter hohen Flut in diesem Frühjahr habe die Insel standgehalten. Außerdem liegt Norderoogsand im Wind- und Strömungsschutz anderer großer Sandbänke wie Jungnamensand, Japsand und Kniepsand. Nur eins ist sicher: Trotz traumhafter kilometerlanger Sandstrände wird Schleswig-Holsteins neue Insel niemals zur Tourismus-Attraktion. Norderoogsand liegt mitten im am besten geschützten Bereich des Nationalparks. Betreten ist für Menschen normalerweise verboten, nur für Naturschützer gibt es Ausnahmen.

© dpa/mcs/mike/rus
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