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Nobelpreis für Medizin:Hunderte Millionen Menschen leiden an diesen Krankheiten

Satoshi Ōmura , William Campbell und Youyou Tu (von links), die diesjährigen Gewinner des Medizinnobelpreises.

(Foto: Reuters (2), privat)

Etwa 100 Länder weltweit sind von Malaria betroffen. Die Erreger des Sumpffiebers - Einzeller der Gattung Plasmodium - werden von Anopheles-Mücken beim Blutsaugen übertragen. Nach neuesten Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom September gab es in diesem Jahr bereits rund 214 Millionen Neuerkrankungen, etwa 438 000 Menschen starben daran. Die meisten der Opfer sind Kinder unter fünf Jahren. Immerhin ist die Zahl der Malariatoten im Vergleich zum Jahr 2000 weltweit um 47 Prozent zurückgegangen.

Das Tückische an der Malaria tropica, der gefährlichsten Variante, sind die häufigen Komplikationen. Typisch ist eine Bewusstseinsstörung. Vor allem bei Schwangeren und Kindern sackt der Blutzuckerspiegel manchmal so stark ab, dass die Patienten ins Koma fallen. Todesursache ist in der Regel das Versagen mehrerer Organe.

Experten sehen Nobelpreis-Entscheidung als politische Botschaft

Noch mehr Menschen leiden an Wurmparasiten. Allein in Afrika sind 40 Millionen Menschen mit dem Wurm Onchocerca volvulus infiziert, dem Erreger der Onchozerkose oder Flußblindheit. Die Wurmlarven werden durch blutsaugende Kriebelmücken auf den Menschen übertragen. Dann lagern sich die Parasiten im Bindegewebe ein. Den größten Schaden richten sie an, wenn sie die Augen erreichen. Wird die Krankheit nicht behandelt, erblindet jeder zehnte befallene Patient.

Weltweit mehr als 100 Millionen Menschen sind an der Lymphatischen Filariasis, besser bekannt als Elefantenkrankheit, erkrankt. Sie entstellt ihre Opfer auf grausame Weise: Beine, Brüste und Genitalien schwellen an und entzünden sich chronisch. Ähnlich wie die Flussblindheit wird auch die Elefantenkrankheit durch parasitäre Würmer verursacht, deren Larven von Mücken übertragen werden. Die Würmer lagern sich im Lymphsystem ein und verursachen dort Staus, die zu gigantischen Schwellungen führen.

Der Parasitologe Egbert Tannich vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg sieht die Entscheidung des Nobel-Komittes auch als politische Botschaft. Es gehe um Krankheiten, die Menschen in armen Ländern betreffen.