Nitratbelastung Landwirte verharmlosen Problem der Nitratbelastung

Trotz aller Anstrengungen bleibt die Nitratbelastung des Grundwassers ein Problem.

(Foto: dpa)

Dass die Landwirtschaft mehr gegen die Nitratbelastung des Grundwassers tun muss, ist völlig klar. Nur im Bauernverband versuchen manche, das Problem kleinzureden.

Kommentar von Marlene Weiß

Im Respekt vor Tatsachen zeigt sich auch der Respekt vor dem Gesprächspartner. Wer sein Gegenüber achtet, der leugnet vor ihm nicht, was offensichtlich ist. Wer es doch tut, der sendet eine deutliche Botschaft aus: dass ihn die Meinung anderer Leute einen feuchten Kehricht interessiert. Weil man niemandem Rechenschaft schuldet, Punktum.

Diese Haltung kennt man von fragwürdigen Regimes, von Autoindustrie oder Tabaklobby. Und von Gruppen, die sich in die Ecke gedrängt fühlen oder sich dorthin manövriert haben. Dazu gehören offenbar auch Teile des Bauernverbands. Nachdem der Bayerische Gemeindetag wieder einmal auf den Zusammenhang zwischen Düngung und Nitratbelastung des Grundwassers hingewiesen hatte, reagierte Bayerns Bauernverband pikiert: "Die Schuldzuweisungen in Richtung Landwirtschaft sind nicht gerechtfertigt", Landwirte setzten Düngemittel grundwasserschonend ein. Ähnlich äußert sich der Deutsche Bauernverband seit Jahrzehnten; lange wehrte man sich gegen jede Änderung des Düngerechts.

Viele Bauern ignorieren die Nitratbelastung des Grundwassers beim Düngen

Landwirte haben demnach das mit der Düngung bestens im Griff. Und es irren sich alle anderen: die EU-Kommission, die kürzlich die lang angedrohte Klage gegen Deutschland erhoben hat, weil die Nitratbelastung des Grundwassers zunimmt. Die Wissenschaftler im Sachverständigenrat für Umweltfragen und in den Beiräten für Agrarpolitik und Düngungsfragen, die für das neue Düngerecht noch strengere Regeln fordern als bislang geplant.

Das Umweltbundesamt, wenn es vorrechnet, wie viel mehr Stickstoff über Gülle oder Mineraldünger auf die Felder kommt, als mit der Ernte abgefahren wird. Und die Wasserversorger etwa in Niedersachsen und auch in Teilen Bayerns, die längst um ihre Brunnen fürchten, die irren sich sowieso. Das ist möglich, aber nicht wahrscheinlich.

Diese Verweigerung der Fakten ist tragisch, weil sie gerade kleinen Betrieben jede Chance nimmt, sich anzupassen. Viele Landwirte machen ohnehin eine furchtbare Zeit durch; die Milchpreise sind im Keller, ebenso wie jene fürs Schweinefleisch. Dabei sind nicht nur die Probleme klar, sondern auch die Lösungen: Präzisere Düngung, die den Stickstoff nur so aufs Feld bringt, wie Pflanzen ihn aufnehmen können.

Längere Lagerung der Gülle und weniger Tiere pro Fläche, Auflagen für Biogas-Gärreste und transparentere Nährstoff-Bilanzen. Die Verbände haben lange Gelegenheit gehabt, an solchen Lösungen mitzuarbeiten. Immerhin loben manche Wasserversorger, dass Bauern in Niedersachsen inzwischen mit sich reden ließen. Absurde Diskussionen über unstrittige Tatsachen dagegen verschwenden nur Zeit.

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