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Nikotinsucht:Qualmende Gene

Manchen Menschen fällt es erheblich schwerer, die Finger von Zigaretten zu lassen, als anderen. Ein Hinweis auf eine Charakterschwäche ist das nicht unbedingt.

Markus C. Schulte von Drach

Vielen Menschen gelingt es einfach nicht, mit dem Rauchen aufzuhören. Manche Nicht- oder Ex-Raucher halten das für eine Charakterschwäche.

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Das Krebsrisiko durch Zigaretten ist offenbar nicht für alle Menchen gleich groß.

(Foto: Foto: dpa)

Aber vielleicht haben sie auch nur leicht reden. Denn wie leicht oder schwer es uns fällt, die Finger von Zigaretten und Zigarren zu lassen, hängt auch von unseren Genen ab. Das bestätigen gleich drei internationale Studien.

Die Teams von Wissenschaftlern einer ganzen Reihe von Universitäten sowie des isländischen Pharmaunternehmens deCODE genetics und GlaxoSmithKline fanden mehrere Stellen auf verschiedenen Chromosomen, die jeweils mit der Zahl der täglich gerauchten Zigaretten zusammenhingen, sowie mit der Anfälligkeit für das Rauchen und der Abhängigkeit.

Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler feststellen, dass auch das Krebsrisiko, das von den Glimmstängeln ausgeht, offenbar nicht für alle Menschen gleich groß ist.

Hinweise auf die Zusammenhänge zwischen Genen und dem Raucherverhalten hatten bereits frühere Studien ergeben - unter anderem an Zwillingen.

Die neuen Untersuchungen mit Daten von 140.000 Menschen bestätigten nun, dass bestimmte Gen-Varianten auf dem Chromosom 15 mit der Nikotin-Abhängigkeit und dem Risiko für Krankheiten - unter anderem Lungenkrebs - zusammenhängen.

Ein entsprechendes Gen entdeckten die Wissenschaftler auch auf Chromosom 8. Auf dem Chromosom 11 liegt ein Gen, das offenbar mit der Anfälligkeit für das Rauchen zusammenhängt. Und von einem Gen auf Chromosom 9 scheint es abzuhängen, wie leicht man das Laster wieder aufgibt.

Die Studien werfen ein Licht darauf, wie komplex die Zusammenhänge zwischen dem Laster und dem Erbgut sind. Darüber hinaus "stellt sich die Frage, ob das Risiko für Lungenkrebs vom Raucherverhalten abhängt, oder ob auch eine erhöhte Anfälligkeit für die schädlichen Effekte des Rauchens beteiligt ist", schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin Nature Genetics.

Wie die verschiedenen Gen-Varianten sich genau auswirken, ist noch unklar. Klar ist dagegen, dass die Neurobiologie der Nikotinabhängigkeit hochkomplex ist.

Gerade hier sei jedoch ein besseres Verständnis notwendig, um zielgerichtete, effektivere Therapien gegen die Sucht zu finden, mahnen die Forscher.

Vielleicht ist es ein Trost für manche Raucher, dass es ihnen nicht nur aufgrund eines Mangels an Willensstärke besonders schwer fällt, die Finger von den Zigaretten zu lassen.

Aber versuchen sollten sie es weiterhin. Und wer es nicht allein schafft, sollte sich Hilfe suchen.

Denn das Risiko, an Krebs, Arteriosklerose, chronischer Bronchitis oder anderen Leiden zu erkranken, ist für Raucher auf jeden Fall besonders hoch.

© sueddeutsche.de/cat

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