Nikolaus, Christkind, Weihnachtsmann Luthers Erfindung: Der "Heilige Christ"

Mit Martin Luther aber wurde es kompliziert. Der große Reformator brach nicht nur mit dem Papst in Rom. Er schaffte um das Jahr 1535 für die deutschen Protestanten auch die Bescherung am Nikolausabend ab. Schließlich ging es da um die Verehrung eines Heiligen, der Einfluss auf das irdische Leben haben sollte - und damit hatte Luther ein Problem.

Wie dieses Christkind auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt hat sich Martin Luther den von ihm eingeführten "Heiligen Christ" wohl kaum vorgestellt. Und dass die Protestanten in Deutschland heute eher auf den ursprünglich katholischen Weihnachtsmann-Nikolaus stehen, während die Katholiken das Christkind verehren, hätte er sicher auch nicht erwartet.

(Foto: ddp)

Stattdessen sollte nun der "Heilige Christ", also Christus - später als Christkind verniedlicht und als kindlicher Jesus missverstanden - an Weihnachten Geschenke bringen. Anhänger fand dieser ursprünglich protestantische Brauch in Deutschland seit 1900 dann auch unter den Katholiken. Und das Christkind verwandelte sich zunehmend in ein mit Goldlöckchen ausgestattetes engelhaftes Wesen, das mit Jesus nicht mehr viel gemein zu haben scheint.

Aus zwei mach eins: Der Weihnachtsmann

In den folgenden 30 Jahren wechselten Christkind und Nikolaus zunehmend die Seiten, sodass Kinder im überwiegend katholischen Süden und Westen schließlich Luthers Christkind den Vorzug gaben, im Osten und Norden dagegen dem Nikolaus - allerdings in seiner neuen Gestalt: dem Weihnachtsmann.

Das Bild des Weihnachtsmanns hat sich während des 19. Jahrhunderts entwickelt. Der ursprünglich als Bischof dargestellte Nikolaus verschmolz zunehmend mit seinen (regional verschiedenen) Begleitern und Gehilfen (zum Beispiel Knecht Ruprecht oder Krampus) und übernahm dessen Stiefel, den Sack und die Rute, behielt jedoch den Mantel und den - allerdings zunehmend abgewandelten - Bischofshut.

Entstanden ist dadurch der Weihnachtsmann, auf den sich zum Beispiel August Heinrich Hoffmann von Fallersleben in seinem Lied "Morgen kommt der Weihnachtsmann" 1835 bezieht.

Doch die Aufmachung, die der moderne Weihnachtsmann/Nikolaus heute trägt, lässt sich so noch nicht verstehen.

Bis der Gabenbringer diese Form angenommen hat, musste der Nikolaus erst nach Amerika auswandern. Das tat er als Sinterklaas von den Niederlanden aus. In Neu-Amsterdam (heute das Gebiet um Manhattan beziehungsweise New York) entwickelte er sich zu Santa Claus - und verschmolz zunehmend mit dem Father Christmas, den die Briten mitgebracht hatten. Und die Bescherung fand nun am 25. Dezember statt.

Der ausgewanderte Sinterklaas

Während Nikolaus (oder Sinterklaas) noch als ein eher asketisch wirkender Heiliger in der Tracht eines Bischofs (Mitra, Stab, Kreuz, Chormantel, Stola) aufgetreten war, wechselte Santa Claus in den USA als Father Christmas nun in mehr dem Winterwetter angepasste Kleidung.

Die frühesten Beschreibungen des neuen Santa Claus, in der bestimmte Aspekte der modernen Form des Weihnachtsmannes schon auftauchen, stammen aus Büchern aus den USA. In "A History of New York" von Washington Irving im Jahre 1812 fliegt Santa Claus bereits mit einem Wagen über die Baumwipfel. 1821 tauchte in einem anonym verfassten Gedicht in dem Buch "A New Year's Present" des New Yorkers William Gilley erstmals ein Rentier auf, das Santa Claus' Schlitten ziehen sollte. Anders als meist behauptet, steht in dem Gedicht nichts davon, dass er in Fell gekleidet sei. Auf der zu dem Gedicht veröffentlichten Zeichnung ist allerdings die Mütze aus Fell, für den Mantel könnte das ebenfalls stimmen.

Erheblich größeren Einfluss hatte allerdings 1823 das Gedicht "'Twas the Night before Christmas" (A Visit from St. Nicholas), das ebenfalls anonym in einer New Yorker Zeitung veröffentlicht wurde, aber vermutlich von Clement C. Moore aus New York stammte. Es beschrieb den Nikolaus als rundlichen, lustigen Elfen mit rundem kleinen Bauch, ganz in Fell gekleidet, mit glitzernden Augen, rosigen Bäckchen, einer Nase wie eine Kirsche, einem langen schneeweißen Bart und einer Pfeife. Sein Schlitten wurde bereits von acht Rentieren gezogen. Moore ließ ihn durch den Schornstein in die Wohnungen steigen, um die dort aufgehängten Strümpfe mit Geschenken zu füllen.