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Neurologie:Forscher schließen ihre Hirne kurz

Einer denkt, der andere lenkt: Zwei Wissenschaftler haben Nervenimpulse von einem zum anderen per Internet übertragen. Zunächst reichte die Gedankensteuerung nur für ein simples Videospiel. Doch die Hirnforscher denken bereits an waghalsige Einsätze.

Zwei Neurowissenschaftler in Seattle haben ihre Gehirne vor zwei Wochen kurzgeschlossen. Es war nach Darstellung der Forscher das erste Mal, dass Nervenimpulse vom einem Menschen per Internet übertragen wurden und der Empfänger die Befehle ausführte, wie sie jetzt erklärt haben.

Der Zweck der Kommunikation zwischen den Gehirnen war es, ein einfaches Videospiel zu gewinnen. Einer der beiden Forscher, Rajesh Rao, bemühte sich ohne sich zu bewegen, eine Kanone abzufeuern, um eine heranfliegende Rakete zu zerstören. Seine Nervenimpulse, die die mentale Vorstellung auslösten, die rechte Hand zu heben, wurde von Elektroden am Kopf aufgezeichnet, wie sie bei einer Hirnstrom-Messung benutzt werden.

Die Signale flossen per Internet ans andere Ende des Campus zur zweiten Versuchsperson, Andrea Stocco. Über seinem Kopf hing eine Magnetspule, die für einen Moment gezielt Bereiche im Gehirn anregen kann. In diesem Fall brachte ihr Impuls Stocco unwillkürlich dazu, die rechte Hand anzuwinkeln; er beschreibt es wie einen nervösen Tick.

Da seine Finger zuvor leicht auf der Leertaste einer Computertastatur geruht hatten, presste der Forscher die Taste, als seine Hand wieder nach unten fiel. Er hatte somit den "Feuer"-Befehl ausgeführt, den sich Rao vorgestellt hatte. Um das Spiel komplizierter zu machen, flog bisweilen statt der Rakete ein Flugzeug über den Himmel, das Rao nicht abschießen sollte. Die Übertragung klappte nach etwas Training nahezu perfekt.

Flugzeuge sollen per Gedankensteuerung gelandet werden

An einer Verbindung zwischen Gehirn und Maschinen arbeiten Forscher schon lange. Zunächst ging es darum, für Gelähmte Impulse aus den Gehirnströmen zu isolieren, damit sie einen Computer steuern können. Jüngst haben Forscher an der Duke-University aber auch die Gehirne von zwei Ratten mittels implantierter Elektroden verbunden. Ein Tier in Brasilien geleitete mit den Sinneswahrnehmungen seiner Schnurhaare ein weiteres in den USA durch einen virtuellen Schlitz in der Wand.

Die Forscher in Seattle stellen sich nun vor, eines Tages könnte im Notfall ein Experte auf dem Boden einem Laien in einem Flugzeug per Gehirnverbindung zeigen, wie er die Maschine landen kann.

Einstweilen dämpfen sie Bedenken. "Manche Menschen bringt das Experiment vielleicht aus der Fassung, weil sie die Technik überschätzen", sagt Chantel Prat, Leiterin des Versuchs. "Es ist aber unmöglich, sie gegen den Willen einer Person einzusetzen." Rao ergänzt, es würden nur Gehirnsignale erfasst, keine Gedanken gelesen.